May 23

Bei Kindern und Jugendlichen bewähren sich psychotherapeutische Präventionsprogramme definitiv – die einjährige Studie „Saving and Empowering Young Lives in Europe (SEYLE): Gesundheitsförderung durch Prävention von riskanten und selbstschädigenden Verhaltensweisen“, die in Deutschland an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg durchgeführt wurde, zeigt vielversprechende Ergebnisse und wies eine Reduktion psychischer Probleme bei den teilnehmenden Schülern sowie einen deutlichen Rückgang von depressiven Symptomen, selbstschädigenden Verhaltensweisen und Selbstmordgedanken insbesondere bei Mädchen nach.

Ziel der Studie war es, die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen zu überprüfen und effiziente Programme langfristig an bundesweit allen Schulen zu etablieren. Sie lief unter der Federführung des Karolinska-Instituts in Stockholm gleichzeitig in neun anderen EU-Staaten sowie Israel.

„Es gibt ein hohes Maß an gefährdeten Jugendlichen, doch viele von ihnen kommen nicht bei den Therapeuten an”, erklärt Studienleiter R. Brunner. „Bei psychischen Problemen gibt es eine immer noch ausgeprägte Stigmatisierung.” Viele Jugendliche haben Angst, von ihren Mitschülern ausgelacht zu werden. „Wir waren im Vorfeld mehrfach in den Klassen, um Aufklärung zu betreiben”, sagt Studienkoordinator M. Kaess, „etwa darüber, dass die vertrauliche Kommunikation mit den Schülern und ihre Anonymität gewährleistet sind.” Rund 70 Prozent entschlossen sich daraufhin zur Teilnahme.

Über 1.400 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren waren an der Studie beteiligt. Sie kamen von 26 Gymnasien, Real- Hauptschulen des Rhein-Neckar-Kreises und Heidelberg. Zunächst beantworteten die Acht- und Neuntklässler bei der Eingangsuntersuchung im Januar 2010 einen Fragebogen, der unter anderem die Themenbereiche Suizidgefährdung, Selbstverletzung, Angst, Depression, Delinquenz, gestörtes Essverhalten, exzessiver Medienkonsum, Schulschwänzen und Mobbing abhandelte. Je eines von vier Präventionsprogrammen wurde den Schulen per Zufall zugeteilt. Beim sogenannten Professional Screening erhielten über 60 Prozent der Schüler aufgrund ihrer Antworten eine Einladung zu einem Interview. Bei 30 Prozent derer, die zum Termin erschienen waren, stellten die Psychiater einen Behandlungsbedarf fest.

In einem der anderen drei Präventionsprogramme nahmen etwa 100 Lehrer an einem Training teil, dass sie in die Lage versetzte, betroffene Jugendliche zu erkennen und mit ihnen umzugehen („Gatekeeper-Training”). 450 Schüler wurden im Rahmen von fünf Unterrichtsstunden über riskante und selbstschädigende Verhaltensweisen sowie den Umgang damit aufgeklärt („Awareness Training”). An anderen Schulen wurden den Klassenräumen Informationsplakate aufgehängt und den Jugendlichen Visitenkarten mit den Kontaktinformationen der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie ausgehändigt („Minimal Intervention”).

Bei etwa 25 Prozent der Schüler sank die Suizidgefährdung im Laufe der Folgeuntersuchungen. Besonders bei den Mädchen verringerten sich die psychischen Probleme. „Eine genaue Analyse der unterschiedlichen Gruppen und Wirkfaktoren steht noch aus”, betont Brunner. „Diese ersten Ergebnisse stellen ausschließlich Tendenzen bezogen auf die Heidelberger Gesamtstichprobe dar. Es fehlen allerdings noch genaue Analysen im Vergleich mit anderen EU-Staaten, die sicher noch weitere Erkenntnisse bringen werden.”

(Quelle: http://www.seyle.eu , Der Standard v 20.01.2011)

Jan 20

Frauen mit Magersucht (Anorexia Nervosa) weisen eine deutlich reduzierte Dichte grauer Zellen in bestimmten Bereichen des Gehirns auf, die mit der Verarbeitung von Körperbildern zu tun haben.

Dieses Ergebnis brachten Untersuchungen magersüchtiger und gesunder Frauen, deren Selbsteinschätzungen Forscher der Ruhr-Universität Bochum mit den Analysen von Kernspintomografen verglichen, zutage. Nicht nur war bei anorektischen Patientinnen das gesamte Volumen des Gehirns verringert, sondern es fielen in zwei Regionen des Gehirns besonders starke Verringerungen der grauen Zellen auf: die eine Region wurde vor einigen Jahren als diejenige identifiziert, die vorrangig für die visuelle Verarbeitung von menschlichen Körpern zuständig ist (Extrastriate Body Area, EBA), die zweite Region mit verminderter Dichte grauer Substanz befand sich im oberen, hinteren Teil des Schläfenlappen – und auch diese Gehirnregion wird mit der Verarbeitung von Körperbildern in Verbindung gebracht.

Nicht sicher sind die Forscher derzeit noch, ob es sich bei den Auffälligkeiten des Gehirns um eine Prädisposition handelt, die die Entstehung einer Essstörung begünstigt, oder um Veränderungen, die erst durch die Krankheit auftreten. Die Auffälligkeiten im Gehirn könnten jedoch das Zustandekommen der gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers bei Frauen mit Essstörungen erklären: die Patientinnen nehmen sich selbst als dick wahr, obwohl sie objektiv untergewichtig sind – ein aufrechterhaltender Faktor für die Essstörung.

Aus psychotherapeutischer Sicht ist zu sagen, daß eine Einschränkung des wissenschaftlichen Suchfokus auf ein simples “Entweder – Oder” vermutlich nur teilweise sinnvoll nutzbare Ergebnisse zutage fördern dürfte. Die Erfolge von Psychotherapie in der Behandlung von Eßstörungen zeigen ja gerade, daß die betreffenden Hirnveränderungen offensichtlich nicht irreversibel sein dürften oder zumindest nicht zwangsläufig lebenslang zur Anorexie verurteilen. Forschungen rund um das Phänomen der Neuroplastizität unterstützen die Hinweise auf derartige Wechselwirkungen (siehe auch mein Artikel zur Behandlung der Depression).

(Quelle: Behavioral Brain Research Vol 206, Issue 1, 5 Jan 2010, pg 63-67 (doi: 10.1016/j.bbr.2009.08.035))

Dec 29

Eine sehr interessante Auflistung von Studien findet sich in einem Artikel [1] in Telepolis: in diesen wurde nachgewiesen, daß bestimmte psychologische Tendenzen oder persönliche Neigungen sich offenbar in den sozialen Netzen, in denen sie auftreten, im Laufe der Zeit verbreiten. Was in bestimmten Fällen (Rauchentwöhnung, Spaß an bestimmten Tätigkeiten, Lebenszufriedenheit und Glück) ein Segen sein kann, ist in anderen (Einsamkeit, Eßstörungen, Kriminalität, Depression) wohl ein Fluch… Erklärbar ist diese Neigung wohl mit der enormen Wichtigkeit, die unser engeres soziales Umfeld seit urgeschichtlichen Zeiten hatte. Einzelgänger hatten während den Anfängen der Menschheit keine Chance zu überleben, jeder war gut beraten, sich mit dem eigenen “tribe” zu arrangieren und die eigenen sozialen Parameter mit jenen der anderen Gruppenmitglieder abzustimmen. Im Grunde ist dies auch heute noch wichtig – wenn es sich viele auch nicht eingestehen mögen, wo doch der Individualismus (z.T. sogar auf Kosten anderer) das aktuelle gesellschaftliche Ideal in der westlichen Kultur darstellt. Die vorliegenden Studien zeigen, wie sehr wir de facto unbewußt mit unserem sozialen Umfeld verbunden sind und uns diesem anpassen.

In eine ähnliche Kerbe schlagen auch zwei andere Artikel der Website: laut aktuellen Statistiken habe sich die Häufigkeit von Störungen aus dem Autismus-Spektrum [2] (z.B. auch Asperger-Syndrom) und antisozialem Verhalten [3] während der letzten Jahre signifikant erhöht. Bereits 1% der 8-Jährigen (1 von 110 Kindern) soll autistisch sein, im Jahre 2007 war es noch 1 von 150 Kindern. Und in England, wo seit 1998 “antisoziales Verhalten” definiert und schließlich die berüchtigten “Anti-Social Behaviour Orders” (ASBO) erlassen wurden, ist mittlerweile angeblich jede Sekunde ein Brite “Opfer von antisozialem Verhalten”. Was nicht allzu verwunderlich ist, liest man in den entsprechenden Unterlagen, daß schon “teenagers hanging around on the streets” als antisozial einzustufen sind.
Der sprunghafte Zunahme derartiger Zahlen könnte ganz einfach darin liegen, dass Ärzte, Pädadogen oder Richter Kinder häufiger entsprechend einstufen:

“Wenn neue Normen und damit Normverletzungen von einer Gesellschaft eingeführt werden, wächst auch die Wahrnehmung dafür. Wenn es sich um vermeintlich abweichendes Verhalten handelt, wächst die Angst, die zuvor möglicherweise gar nicht vorhanden war. Ganz ähnlich ist das mit neuen Störungen und Krankheitsbildern. Plötzlich gibt es eine Welle an Autismus, Internetsucht oder Aufmerksamkeitsstörungen. Und keiner weiß wirklich, ob es neue Krankheitsformen sind oder sich eben nur die Norm verschoben hat.”

Quellen: [1], [2], [3]

Nov 30

Bis heute ist fraglich, ob es sich beim sogenannten “Night Eating Syndrom” (“Nachtesser-Syndrom”) nur um eine schlechte Angewohnheit oder doch eine Krankheit handelt. Beim Night Eating Syndrom (NES) essen sich die betreffenden Menschen regelmäßig in der Nacht voll, sie schlafen schlecht und nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge spätabends oder nachts zu sich. Mehr als 70 Studien zu den biologischen Hintergründen des Phänomens haben keine entscheidenden neuen Erkenntnisse gebracht. Schwierig ist die Analyse deswegen, weil es in einer Grauzone verschiedener Störungen liegt: es enthält Spezifika von Essstörungen, Schlaf- und affektiven Störungen, diverse Kriterien dieser jedoch werden allerdings häufig auch nicht erfüllt: das Kriterium von Essstörungen etwa deshalb nicht, weil die meisten Betroffenen tagsüber ein normales Essverhalten aufweisen und auch nicht jeder Nachtesser übergewichtig ist.

Viele Betroffene leiden unter einem gestörten Schlaf, weil sie glauben ohne Stillen ihres Hungers nicht schlafen zu können, tagsüber fühlen sie sich häufig reizbar und müde. Forscher sprechen dennoch nicht von einer Schlafstörung. B. Mühlhans, die am Uniklinikum Erlangen eine Studie zum Störungsbild leitete, schätzt, dass ein bis zwei Prozent der Menschen an dem Problem leiden. Bei manchen verschwinde die Gewohnheit wieder, bei anderen chronifiziere sie mit den Jahren. Stress dürfte zumindest eine wichtige Mitursache sein, fast alle Betroffenen weisen hier bei Tests höhere Werte auf. Psychotherapeutische Verfahren werden deshalb als am effizientesten in der Behandlung des Syndroms erachtet.

Um eine bessere Klassifikation zu ermöglichen, wurden nun an der Universität von Pennsylvania diagnostische Kriterien definiert: betroffen sei, wer entweder seit mindestens drei Monaten mehr als ein Viertel seiner Nahrung nach dem Abendessen einnimmt oder mindestens zweimal pro Woche nachts deswegen aufsteht. Zudem müssen sich die Betroffenen der Episoden bewusst sein und Leidensdruck bestehen.

Nov 07

Der Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gefährlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD gehören in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. Für den Handel ist die Höchststrafe lebenslänglich Gefängnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefährliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden würden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “künstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgelöst wird, und auch sonst schädliche Folgen eher gering sind, plädiert er für die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher hätten ein 2,6 Mal so großes Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber müsse man etwa im Verhältnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal größeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man müsse alle Drogen nach ihrer Gefährlichkeit einstufen. Dann käme Alkohol an fünfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und müsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak käme an neunter Stelle – auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man müsse offen darüber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, süchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, Würstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enthält – körperlich abhängig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ernährt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschränkte Mengen an Junk Food, also an fetten, süßen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen ließ sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verwöhnten Ratten immer mehr Stimulation benötigten, um die Lust zu verspüren, die Ratten mit gesünderer Ernährung hatten. Die verwöhnten Ratten aßen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fraßen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute)

Oct 19

Wenn jemand viel mehr Waren erwirbt, als er sich leisten kann, dann ist dieses Verhalten vermutlich die Folge tiefliegender psychischer Störungen, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen aufzeigt. Der Anteil der einschlägig Suchtgefährdeten zwischen 14 und 24 Jahren ist in den letzten Jahren in Gesamteuropa deutlich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in Österreich ist zumindest kaufsuchtgefährdet.

Im Rahmen der Studie wurde anhand standardisierter psychologischer Tests die psychische Gesundheit von kaufsüchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgestörten Menschen verglichen. Das Ergebnis: Kaufsüchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern leiden sehr häufig darüber hinaus auch unter Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen. 80% der Kaufsüchtigen hatten schwere Ängste, 63% litten an Depressionen, 23% an Essstörungen. “Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausmaß psychischer Komorbidität bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten”, so die Wissenschafter. In einer Therapiegruppe der Österreichischen Arbeiterkammer war fast die Hälfte der von Kaufsucht betroffenen Personen auch vom so genannten ‘Messie-Syndrom’ betroffen. Möglicherweise ist also Kaufsucht keine eigenständige Störung, sondern vielmehr ein Symptom des Vermüllungssyndroms.

“Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufsüchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte”, schreibt die Psychologin A. Müller im Fachblatt “PPmP – Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie”.

Kaufsüchtige spüren regelmäßig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unnötiger Waren, die das finanzielle Budget weit übersteigen. Die meisten untersuchten Betroffenen sind verschuldet (was großzügige Überziehungskonditionen von Banken und Kreditkartenfirmen häufig verschleiern), durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit Psychotherapie.
Kaufsucht zählt zu den nicht substanzbezogenen Abhängigkeitsformen. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. Von Männern werden im Zuge von Kaufsucht besonders häufig Autos sowie elektronische Geräte erworben, von Frauen Kleidung, Schmuck und Dekorationsgegenstände.

(Quelle: APA 08/2009)

Weitere Artikel auf dieser Website:

Diskussionen im Online-Forum für Nicht substanzbezogene Abhängigkeiten
Interview Messies – Das Vermüllungs-Syndrom
Das Messie-Syndrom – Alles in Unordnung?

Sep 25

Laut österreichischem Ernährungsbericht haben 42 Prozent der 18- bis 65-Jährigen Übergewicht, elf Prozent davon Adipositas. Besonders alarmierend: bereits jeder fünfte Bub und jedes sechste Mädchen in Österreich ist übergewichtig, 50 Prozent davon adipös. Im Vergleich zu Kindern mit Neurodermitis oder Asthma ist ihre Lebensqualität dabei besonders schlecht: weil Adipositas nicht als Krankheit gesehen wird, gelten sie als selbst schuld. Und später kommt nicht selten Diabetes als ganz reale und mit zahlreichen desaströsen körperlichen Schäden verbundene Folgeerkrankung hinzu.

Der typische Ansatz von übergewichtigen Menschen und deren Angehörigen mit dem Wunsch, das Gewicht zu reduzieren, sind Diäten. Ernährungsumstellungen werden versucht, die aber in den allermeisten Fällen scheitern und dann weitere Frustrationserlebnisse darstellen und den Teufelskreis zwischen Depression und Versagensgefühlen und dem Bedürfnis, diese Gefühle durch Essen zu kompensieren, anfeuern.

In einem lesenswerten Interview in der österreichischen Tageszeitung Der Standard, das auch online nachzulesen ist, geht eine Ernährungswissenschaftlerin im Gespräch mit einem Soziologen der Frage nach, warum derartige Versuche so häufig scheitern und wie ein Weg aus der Übergewichtsspirale heraus gefunden werden kann:

“Jede Ernährungsumstellung bei starkem Übergewicht muss eine Kombination aus Ernährungsberatung, Psychotherapie und Bewegung sein. Und langfristige Erfolge gibt es dann, wenn das soziale Umfeld – meist also die Familie – mitmacht und bereit ist, das Leben umzustellen. Damit werden dann nämlich soziale Gefüge verändert, und der Betroffene ist mit seinem Problem nicht mehr allein.
(..) Bei Kindern würde Therapie nicht mehr ohne Einbeziehung der Eltern gemacht werden.”

Jul 30

Bei meiner regelmäßigen Durchsicht fachlicher Studien und Press releases stieß ich vor wenigen Tagen auf folgende atemberaubende Veröffentlichung in einem Fachmagazin:

Warum Magersüchtige an ihrem gestörten Essverhalten festhalten:
Geringe Verhaltensflexibilität ist durch Veränderungen im Gehirn bedingt

Als hätten wir uns das nicht immer schon gedacht. Oder gehofft – weil wir dann in unserem persönlichen Leben nichts verändern müßten ;-). Im Anschluß wird erklärt, daß Wissenschaftler am Universitätsklinikum Heidelberg “mit Hilfe der Magnetresonanztomographie erstmals Vorgänge in den Gehirnzellen entdeckt” hätten, “welche das gestörte Essverhalten von Anorexie-PatientInnen erklären”.

Wow. Ich muß allerdings gestehen, daß mich nach jahrelanger Tätigkeit als Psychotherapeut – trotz großen Interesses und laufender Beschäftigung mit aktueller Forschung – derartig reißerische Schlagzeilen heute nicht mehr so recht vom Hocker reißen können wie früher. Meist ertappe ich mich eher beim Gedanken: “welches Gen ist es denn diesmal” oder “dreht es sich wieder um das gute, alte Serotonin oder etwas anderes?” Aber natürlich lese ich wie immer diszipliniert weiter:

Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten insgesamt 30 junge Frauen mit oder ohne Anorexie mit Hilfe der sogenannten funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT). Dabei erfasste das MRT-Gerät, wie hoch der Blutfluss in verschiedenen Gehirnarealen ist. Eine stärkere Durchblutung bedeutet vermehrter Stoffwechsel und damit eine größere Aktivität dieses Hirnbereich.

Derartiges haben wir ja alle schon mal irgendwo gehört. Aber nur “30 junge Frauen” zur Begründung einer solchen These? Wie auch immer, weiter geht’s:

Die Teilnehmerinnen unterzogen sich einem Test, der die Fähigkeit zu einem flexiblen Verhaltenswechsel aus einem kurzfristig eingeübten Verhalten prüft. Dazu werden den Testpersonen verschiedene geometrische Figuren in schneller Abfolge gezeigt, die zugeordnet werden müssen. Nach einem Durchlauf wird die Zuordnung geändert.

“Wir haben mit der Studie bestätigt, dass Magersuchtkranke häufiger als gesunde Vergleichspersonen an der vertrauten Verhaltensantwort festhielten, wodurch eine alternative Verhaltensweise unterdrückt wurde”, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe. Die Analyse der MRT-Bilder zeigte zudem, dass bei Magersucht Patientinnen im Vergleich zu gesunden Testpersonen ein bestimmter Netzwerk-Pfad zwischen Großhirn und Zwischenhirn vermindert aktiviert ist. Dieser Netzwerk-Pfad spielt unter sich rasch verändernden Umweltbedingungen eine entscheidende Rolle für die Einleitung und Kontrolle von Handlungen.

Bildquelle: Cartoonstocks.comNun ist allerdings die Art, wie hier Zusammenhänge konstruiert werden, bemerkenswert. Es wird gewissermaßen geschlußfolgert, daß die anorektischen Frauen geistig weniger flexibel seien als andere, und sich daher schwer täten, ihre Verhaltensmuster den offensichtlichen Notwendigkeiten anzupassen.
Daß “bestimmte Netzwerk-Pfade” des Gehirns oder der Neurotransmitter-Haushalt bei psychisch leidenden Personen gegenüber jenen von nicht einschlägig leidenden Menschen verändert sind, ist im Grunde alles andere als überraschend, denn natürlich müssen psychische Veränderungen irgendwo auch im Gehirn nachweisbar sein, nur Anhänger esoterischer Erklärungsmodelle würden dies bestreiten. Jedoch zu behaupten, diese Veränderungen würden das entsprechende Verhalten (womöglich sogar unausweichlich) verursachen, und wären nicht vielleicht schlicht eine Folge ganz anderer – womöglich auch gar nicht so schlecht erforschter, jedoch halt nicht der Biochemie Nutzen bringender – Zusammenhänge, ist sehr gewagt, zumal wir heute wissen, daß psychische Erkrankungen ihrerseits hirnorganische Veränderungen bewirken können (Neuroplastizität) und daher die Ursachensuche ein wenig der antiken Frage gleicht, ob zuerst die Henne oder das Ei gewesen sei.

Doch der wirkliche Clou liegt in den Schlußfolgerungen, die die Wissenschafter aus der Studie ableiten:

Die Ergebnisse der Studie tragen maßgeblich zu einem besseren Verständnis der Magersucht bei. Vor allem machen sie deutlich, dass neurobiologische Faktoren beteiligt sind und das Erkrankungsbild aufrechterhalten. Da sich psychische und neurobiologische Faktoren wechselseitig beeinflussen können, ergeben sich für die Anorexie neue Therapieansätze.

“Wir haben ein Behandlungsprogramm für Magersuchtpatientinnen entwickelt, das gezielt den flexiblen Wechsel von Verhaltensantworten trainiert“, so der Untersuchungsleiter. Die Wissenschaftler hoffen dadurch den Erfolg der psychotherapeutischen Behandlung verbessern zu können. Zur Erfolgskontrolle könnte die MRT- Untersuchung des Gehirns einen Beitrag leisten.

Es wird also eine Art revolutionärer Durchbruch für die Behandlung der Anorexie postuliert. Für ein verhaltenstherapeutisches Konzept, das a) grob gesagt schlicht die geistige Flexibilität ein wenig erhöhen soll und b) meint, damit eine Art bisheriger “unsichtbarer Mauer” für den ultimativen Behandlungerfolg zu durchbrechen, erscheint dies aber doch als eine sehr gewagte Behauptung.


Daß neurobiologische Faktoren beteiligt sind – nun, da wäre wohl eher das Gegenteil eine aufsehenerregende Neuigkeit gewesen! Daß die neurobiologischen Strukturen das Krankheitsbild aufrechterhalten, dafür liefert die Studie, liest man sie im Originaltext, keinerlei Hinweise – es handelt sich also um eine reine Hypothese, deren Beforschung wohl weitere Studien (und Studien-Fördermittel..) erfordern würde. Und ob es besonders effizient ist, wenn Anorexie-Patientinnen für einen derart hypothetischen Zuwachs an Behandlungserfolg regelmäßig ein extrem kosten- und materialaufwändiges MRT absolvieren müssen, darüber kann sich wohl jeder selbst ein Urteil bilden…

Alles in allem ein weiterer bunter Mosaikstein in der farbenfrohen Studienfülle, den uns die heutzutage so gehypte Genetik und Neurobiologie beschert, welche bisher aber in Bezug auf reale Therapieansätze nur wenig Fundiertes zutage gefördert hat und wohl nicht überraschend vermehrt in Kritik gerät.

(Quelle zur Studie: Am. J. Psychiatry 166, 608-616 (doi: 10.1176/appi.ajp.2008.08050775))

Dec 10

Zumindest in den USA werden Kindern immer mehr Medikamente verschrieben: die häufigsten Gründe dafür seien Asthma, Diabetes und ADS/ADHS, wie eine Studie der St. Louis-University, welche in der November-Ausgabe der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde, herausfand. Dieses in Teilbereichen regelrecht dramatische Anwachsen einschlägiger Verscheibungen führen die Studien-Autoren auf die starke Zunahme von Adipositas in den USA zurück – bei Adipositas besteht, wie zahlreiche Studien zeigen, offensichtlich ein starker Zusammenhang mit  Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Depression und Asthma.

Ob diese Schlußfolgerung allerdings als alleinige Erklärung gerechtfertigt ist? Über die Zunahme von Adipositas in so gut wie allen Industrieländern (u.a. aufgrund veränderter Ernährungsgewohnheiten, anderer Zusammensetzung der Grundnahrungsmittel und auch verschiedenster psychischer Ursachen) besteht ja grundsätzlich kein Zweifel, eine Verdopplung der Einnahme spezifischer Arzneimittel innerhalb von nur 4 (!) Jahren allerdings (so geschehen mit 2 Medikamenten zur Behandlung von Typ2-Diabetes) steht trotz einer angeblichen Zunahme der Diagnose von 166% (Mädchen von 10-14 J.) bzw. 135% (Mädchen von 15-19 J.) in keiner Relation. Immerhin führen die Studienautoren an, daß auch die reine Verschreibung etwa spezifischer Medikamente gegen Asthma um 46,5%, und jene gegen ADHD um 40% zugenommen hätte. Der Verdacht liegt nahe, daß einfach nur rascher zu Medikamentenverschreibungen gegriffen wird, statt auf nachhaltige (wenn auch anstrengendere) Therapieformen wie Diäten, Bewegung oder Psychotherapie zu setzen. Tatsächlich beobachtet Dr. Artman, Leiter der pädiatrischen Abteilung der Universität Iowa, einen Trend, daß privat versicherte PatientInnen häufig die bessere und nachhaltigere Versorgung erhalten, KassenpatientInnen oder Unversicherte aber bevorzugt Medikamente verschrieben erhalten. Einen Faktor, den er nicht erwähnt, sind die großzügigen Ausgaben der Pharmaindustrie, um ihre Produkte an die PatientInnen zu bringen, wozu  Ärzte mit immateriellen ebenso wie materiellen Zuwendungen von diesen gerne ermuntert werden.

Update 25.01.2009: in Österreich geht der Trend in dieselbe Richtung. In einem Interview mit der Tageszeitung ‘Der Standard’ v. 21.1.09 sagte Erich Laminger (seit 2005 Vorstandschef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger): “Erschreckend ist besonders der Anstieg bei den Psychopharmaka. Über alle Altersgruppen hatten wir in den letzten drei Jahren einen Anstieg von fast 30 Prozent. Besonders hervorstechend sind aber die Gruppen der Fünf- bis Neunjährigen und der Zehn- bis 14-Jährigen, wo der Anstieg bei 50 Prozent liegt. (..) Da muss sich die Gesellschaft fragen: Was ist da los?”

Quelle: US National Library Of Medicine, 11/2008
Link-Tipp: Das Pharma-Kartell (ZDF-Dokumentation 12/2008)
Buch-Tipp: Hans Weiss, “Korrupte Medizin“, 2008
Lesetipps zum Thema “Essstörungen”

Nov 26

50% der jungen Männer sind zu dick. 60% der Weltbevölkerung bewegen sich weniger als 30 Minuten am Tag, Bewegung und körperliche Arbeit werden immer weniger, die Kalorienzufuhr steigt. Die Folge: in den meisten europäischen Ländern sind zwei von drei Männern und jede 2. Frau übergewichtig. Hinzu kommen die chronischen Begleiterkrankungen des Herz- und Bewegungsapparats mit der Folge steigender Kosten für das Gesundheitssystem. Eine weitere Verschlechterung der Situation in den nächsten Jahren ist zu erwarten: dringend erforderlich sind Präventionskampagnen, die eine Lebensstiländerung hin zu einer gesünderen und “bewegteren” Lebensweise fördern.
Insbesondere bei 20- bis 25-Jährigen hat Übergewicht desaströsen Einfluß auf die Gesundheit. Bei den 25-jährigen Männern aber sind bereits 50% übergewichtig, 60% rauchen und rund ein Drittel ist sportabstinent. Zwar ist nur ein Viertel der 16- bis 25-jährigen Frauen übergewichtig, jedoch waren die weiblichen Studienteilnehmer wesentlich seltener sportlich aktiv. Lediglich ein Viertel aller Studienteilnehmer weist keinen der untersuchten kardiovaskulären Risikofaktoren auf.
Großen Einfluss hat auch das Bildungsniveau. Die Gefahr, wenigstens einen kardiovaskulären Risikofaktor im jungen Erwachsenenalter zu erwerben, ist mit abnehmenden Bildungsniveau deutlich größer: Im Vergleich zu Abiturienten/Gymnasiasten ist das Risiko der Realschüler um den Faktor 3,2 erhöht, bei den Hauptschülern ist es mehr als fünfmal so hoch.

Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind bei Menschen um die Fünfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3. Dies sind die Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten europäischen Langzeitstudien weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch die Fettverteilung für das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist. Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) veröffentlichte kürzlich seine Forschungsergebnisse in der Zeitschrift New England Journal of Medicine. Die Daten der europaweiten EPIC*-Studie, welche insbesondere den Taillen- und Hüftumfang berücksichtigen, boten die größte zurzeit verfügbare Datenbasis und erlaubten somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko.

“Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst”, sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufweisen würden. In der vorliegenden Studie hatten Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie stark Übergewichtige. “Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine Einschätzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend”, ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Als Ursache für den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.

Im Vergleich zu Männern mit einem Taillen-Hüftumfang-Quotienten unter 0,89 haben Männer mit einem Quotienten über 0,99 ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs. Bei europäischen Männern ist diese Krebsart die am häufigsten diagnostizierte und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Ursachen für Prostatakrebs sind noch wenig erforscht. Bekannte Risikofaktoren sind ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen. Die Gründe für den Zusammenhang zwischen Taillenumfang und dem Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, sind noch unklar.
Den Taillen-Hüftumfang-Quotient berechnet man, indem man den Wert des Taillenumfangs durch den des Hüftumfangs teilt.  Der Taillenumfang und auch der Taillen-Hüftumfang-Quotient lassen auf die Menge an Körperfett schließen, die im Bauchraum eingelagert ist. Das Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziert auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern.

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
Quellen:
– MedAustria, 200811
New England Journal of Medicine, Vol 359:2105-2120
Dt Ärztebl. 2008; 105(46): 793-800 (doi: 10.3238/arztebl.2008.0793

Noch mehr zum Thema Körpergewicht und Essstörungen:

Übersichts-Artikel “Eßstörungen”
Literaturtipps zum Thema

06.01.16