May 13

Please find the original article (though only in German language) here:
http://www.psychotherapiepraxis.at/pt-blog/demenz-uebergewicht/

Dec 29

Eine sehr interessante Auflistung von Studien findet sich in einem Artikel [1] in Telepolis: in diesen wurde nachgewiesen, daß bestimmte psychologische Tendenzen oder persönliche Neigungen sich offenbar in den sozialen Netzen, in denen sie auftreten, im Laufe der Zeit verbreiten. Was in bestimmten FĂ€llen (Rauchentwöhnung, Spaß an bestimmten TĂ€tigkeiten, Lebenszufriedenheit und GlĂŒck) ein Segen sein kann, ist in anderen (Einsamkeit, Eßstörungen, KriminalitĂ€t, Depression) wohl ein Fluch… ErklĂ€rbar ist diese Neigung wohl mit der enormen Wichtigkeit, die unser engeres soziales Umfeld seit urgeschichtlichen Zeiten hatte. EinzelgĂ€nger hatten wĂ€hrend den AnfĂ€ngen der Menschheit keine Chance zu ĂŒberleben, jeder war gut beraten, sich mit dem eigenen “tribe” zu arrangieren und die eigenen sozialen Parameter mit jenen der anderen Gruppenmitglieder abzustimmen. Im Grunde ist dies auch heute noch wichtig – wenn es sich viele auch nicht eingestehen mögen, wo doch der Individualismus (z.T. sogar auf Kosten anderer) das aktuelle gesellschaftliche Ideal in der westlichen Kultur darstellt. Die vorliegenden Studien zeigen, wie sehr wir de facto unbewußt mit unserem sozialen Umfeld verbunden sind und uns diesem anpassen.

In eine Ă€hnliche Kerbe schlagen auch zwei andere Artikel der Website: laut aktuellen Statistiken habe sich die HĂ€ufigkeit von Störungen aus dem Autismus-Spektrum [2] (z.B. auch Asperger-Syndrom) und antisozialem Verhalten [3] wĂ€hrend der letzten Jahre signifikant erhöht. Bereits 1% der 8-JĂ€hrigen (1 von 110 Kindern) soll autistisch sein, im Jahre 2007 war es noch 1 von 150 Kindern. Und in England, wo seit 1998 “antisoziales Verhalten” definiert und schließlich die berĂŒchtigten “Anti-Social Behaviour Orders” (ASBO) erlassen wurden, ist mittlerweile angeblich jede Sekunde ein Brite “Opfer von antisozialem Verhalten”. Was nicht allzu verwunderlich ist, liest man in den entsprechenden Unterlagen, daß schon “teenagers hanging around on the streets” als antisozial einzustufen sind.
Der sprunghafte Zunahme derartiger Zahlen könnte ganz einfach darin liegen, dass Ärzte, PĂ€dadogen oder Richter Kinder hĂ€ufiger entsprechend einstufen:

“Wenn neue Normen und damit Normverletzungen von einer Gesellschaft eingefĂŒhrt werden, wĂ€chst auch die Wahrnehmung dafĂŒr. Wenn es sich um vermeintlich abweichendes Verhalten handelt, wĂ€chst die Angst, die zuvor möglicherweise gar nicht vorhanden war. Ganz Ă€hnlich ist das mit neuen Störungen und Krankheitsbildern. Plötzlich gibt es eine Welle an Autismus, Internetsucht oder Aufmerksamkeitsstörungen. Und keiner weiß wirklich, ob es neue Krankheitsformen sind oder sich eben nur die Norm verschoben hat.”

Quellen: [1], [2], [3]

Nov 30

Bis heute ist fraglich, ob es sich beim sogenannten “Night Eating Syndrom” (“Nachtesser-Syndrom”) nur um eine schlechte Angewohnheit oder doch eine Krankheit handelt. Beim Night Eating Syndrom (NES) essen sich die betreffenden Menschen regelmĂ€ĂŸig in der Nacht voll, sie schlafen schlecht und nehmen mindestens ein Viertel ihrer Nahrungsmenge spĂ€tabends oder nachts zu sich. Mehr als 70 Studien zu den biologischen HintergrĂŒnden des PhĂ€nomens haben keine entscheidenden neuen Erkenntnisse gebracht. Schwierig ist die Analyse deswegen, weil es in einer Grauzone verschiedener Störungen liegt: es enthĂ€lt Spezifika von Essstörungen, Schlaf- und affektiven Störungen, diverse Kriterien dieser jedoch werden allerdings hĂ€ufig auch nicht erfĂŒllt: das Kriterium von Essstörungen etwa deshalb nicht, weil die meisten Betroffenen tagsĂŒber ein normales Essverhalten aufweisen und auch nicht jeder Nachtesser ĂŒbergewichtig ist.

Viele Betroffene leiden unter einem gestörten Schlaf, weil sie glauben ohne Stillen ihres Hungers nicht schlafen zu können, tagsĂŒber fĂŒhlen sie sich hĂ€ufig reizbar und mĂŒde. Forscher sprechen dennoch nicht von einer Schlafstörung. B. MĂŒhlhans, die am Uniklinikum Erlangen eine Studie zum Störungsbild leitete, schĂ€tzt, dass ein bis zwei Prozent der Menschen an dem Problem leiden. Bei manchen verschwinde die Gewohnheit wieder, bei anderen chronifiziere sie mit den Jahren. Stress dĂŒrfte zumindest eine wichtige Mitursache sein, fast alle Betroffenen weisen hier bei Tests höhere Werte auf. Psychotherapeutische Verfahren werden deshalb als am effizientesten in der Behandlung des Syndroms erachtet.

Um eine bessere Klassifikation zu ermöglichen, wurden nun an der UniversitĂ€t von Pennsylvania diagnostische Kriterien definiert: betroffen sei, wer entweder seit mindestens drei Monaten mehr als ein Viertel seiner Nahrung nach dem Abendessen einnimmt oder mindestens zweimal pro Woche nachts deswegen aufsteht. Zudem mĂŒssen sich die Betroffenen der Episoden bewusst sein und Leidensdruck bestehen.

Nov 07

Der Drogenbeauftragte der britischen Regierung, Professor David Nutt, kritisiert die im letzten Jahr von der damaligen Innenministerin Jacqui Smith getroffene Entscheidung, Cannabis nach dem Drogenmissbrauchsgesetz von 1971 in die Drogenklasse B einzuordnen. Cannabis sei wie auch Ecstasy oder LSD weniger gefĂ€hrlich als Alkohol und Zigaretten. Ecstasy und LSD gehören in England zur Drogenklasse A, in die auch Heroin, Kokain, Crack, halluzinogene Pilze, Metylamphetamin und zu injizierende Amphetamine eingeordnet werden. FĂŒr den Handel ist die Höchststrafe lebenslĂ€nglich GefĂ€ngnis.

Nutt schreibt in einem Paper als Grundlage eines Vortrags im Centre for Crime and Justice Studies am King’s College, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum die einen Drogen verboten sind und andere, sehr gefĂ€hrliche Drogen wie Alkohol oder Zigaretten nicht unter das Drogengesetz fallen, sondern nur wie Lebensmittel und mit einer Altersgrenze reguliert und weigehend unreguliert vertrieben werden wĂŒrden. Die Unterscheidung etwa zwischen Alkohol oder Nikotin von anderen Drogen, die verboten sind, sei “kĂŒnstlich”.

Da das Risiko gering sei, dass durch den Konsum eine Psychose ausgelöst wird, und auch sonst schĂ€dliche Folgen eher gering sind, plĂ€diert er fĂŒr die Beibehaltung der Einstufung in die Klasse C. Cannabisraucher hĂ€tten ein 2,6 Mal so großes Risiko, eine Psychose zu entwickeln wie Nichtraucher. Das aber mĂŒsse man etwa im VerhĂ€ltnis zu Zigarettenrauchern sehen, die ein 20 Mal grĂ¶ĂŸeres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken.

Man mĂŒsse alle Drogen nach ihrer GefĂ€hrlichkeit einstufen. Dann kĂ€me Alkohol an fĂŒnfter Stelle nach Kokain, Heroin, Barbituraten und Methadon und mĂŒsste in die B-Klasse eingestuft werden. Tabak kĂ€me an neunter Stelle – auch in Klasse B – nach Ketaminen, Benzodiazepine und Amphetaminen. Cannabis bliebe in C an 11. Stelle, vor LSD und Ecstasy. Man mĂŒsse offen darĂŒber diskutieren, meint Nutt, welchen Zweck Drogengesetze haben sollen und ob die bestehenden ihrem Zweck dienen.

Doch die Diskussion wird von unerwarter Seite sogar noch um eine ganze Palette weiterer, sĂŒchtigmachender Substanzen erweitert: Neurowissenschaftlern vom Scripps Institute (Florida) zufolge macht auch Junk Food – also Chips, Hamburger, WĂŒrstchen oder Kuchen, also alles, was viel Salz, Zucker oder Fett enthĂ€lt – körperlich abhĂ€ngig. Und sie ziehen den Vergleich von Junk Food mit Heroin: wenn man sich vor allem von Junk Food ernĂ€hrt, verliert man die Kontrolle, was zumindest in Versuchen an Ratten nachgewiesen werden konnte. Diese wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Gruppe erhielt gesundes Fressen, die andere eine begrenzte Menge an Junk Food, und die dritte uneingeschrĂ€nkte Mengen an Junk Food, also an fetten, sĂŒĂŸen und salzigen Nahrungsmitteln.

Bei den ersten beiden Gruppen ließ sich nichts Negatives feststellen, aber bei den Junk-Food-Ratten konnte man beobachten, wie sie fetter und immer gieriger wurden. Die Wissenschaftler stimulierten das Lustzentrum der Ratten und fanden heraus, dass die mit Junk Food verwöhnten Ratten immer mehr Stimulation benötigten, um die Lust zu verspĂŒren, die Ratten mit gesĂŒnderer ErnĂ€hrung hatten. Die verwöhnten Ratten aßen einfach weniger, wenn sie nicht das Richtige erhielten. Und sie fraßen Junk Food auch dann weiter, wenn sie leichte Elektroschocks erhielten.

Werden, wenn sich diese Ergebnisse auch bei Menschen nachreproduzieren lassen, also Junk-Food-Anbieter bald mit Drogendealern und Hamburger-Hersteller mit Drogenherstellern gleichgesetzt und der Kauf, Besitz und Konsum ihrer Produkte mit Strafandrohung belegt werden?

(Vollartikel auf Telepolis [1], [2], Scripps Institute)

Dec 10

Zumindest in den USA werden Kindern immer mehr Medikamente verschrieben: die hĂ€ufigsten GrĂŒnde dafĂŒr seien Asthma, Diabetes und ADS/ADHS, wie eine Studie der St. Louis-University, welche in der November-Ausgabe der Zeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde, herausfand. Dieses in Teilbereichen regelrecht dramatische Anwachsen einschlĂ€giger Verscheibungen fĂŒhren die Studien-Autoren auf die starke Zunahme von Adipositas in den USA zurĂŒck – bei Adipositas besteht, wie zahlreiche Studien zeigen, offensichtlich ein starker Zusammenhang mit  Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Depression und Asthma.

Ob diese Schlußfolgerung allerdings als alleinige ErklĂ€rung gerechtfertigt ist? Über die Zunahme von Adipositas in so gut wie allen IndustrielĂ€ndern (u.a. aufgrund verĂ€nderter ErnĂ€hrungsgewohnheiten, anderer Zusammensetzung der Grundnahrungsmittel und auch verschiedenster psychischer Ursachen) besteht ja grundsĂ€tzlich kein Zweifel, eine Verdopplung der Einnahme spezifischer Arzneimittel innerhalb von nur 4 (!) Jahren allerdings (so geschehen mit 2 Medikamenten zur Behandlung von Typ2-Diabetes) steht trotz einer angeblichen Zunahme der Diagnose von 166% (MĂ€dchen von 10-14 J.) bzw. 135% (MĂ€dchen von 15-19 J.) in keiner Relation. Immerhin fĂŒhren die Studienautoren an, daß auch die reine Verschreibung etwa spezifischer Medikamente gegen Asthma um 46,5%, und jene gegen ADHD um 40% zugenommen hĂ€tte. Der Verdacht liegt nahe, daß einfach nur rascher zu Medikamentenverschreibungen gegriffen wird, statt auf nachhaltige (wenn auch anstrengendere) Therapieformen wie DiĂ€ten, Bewegung oder Psychotherapie zu setzen. TatsĂ€chlich beobachtet Dr. Artman, Leiter der pĂ€diatrischen Abteilung der UniversitĂ€t Iowa, einen Trend, daß privat versicherte PatientInnen hĂ€ufig die bessere und nachhaltigere Versorgung erhalten, KassenpatientInnen oder Unversicherte aber bevorzugt Medikamente verschrieben erhalten. Einen Faktor, den er nicht erwĂ€hnt, sind die großzĂŒgigen Ausgaben der Pharmaindustrie, um ihre Produkte an die PatientInnen zu bringen, wozu  Ärzte mit immateriellen ebenso wie materiellen Zuwendungen von diesen gerne ermuntert werden.

Update 25.01.2009: in Österreich geht der Trend in dieselbe Richtung. In einem Interview mit der Tageszeitung ‘Der Standard’ v. 21.1.09 sagte Erich Laminger (seit 2005 Vorstandschef des Hauptverbands der SozialversicherungstrĂ€ger): “Erschreckend ist besonders der Anstieg bei den Psychopharmaka. Über alle Altersgruppen hatten wir in den letzten drei Jahren einen Anstieg von fast 30 Prozent. Besonders hervorstechend sind aber die Gruppen der FĂŒnf- bis NeunjĂ€hrigen und der Zehn- bis 14-JĂ€hrigen, wo der Anstieg bei 50 Prozent liegt. (..) Da muss sich die Gesellschaft fragen: Was ist da los?”

Quelle: US National Library Of Medicine, 11/2008
Link-Tipp: Das Pharma-Kartell (ZDF-Dokumentation 12/2008)
Buch-Tipp: Hans Weiss, “Korrupte Medizin“, 2008
Lesetipps zum Thema “Essstörungen”

Nov 26

50% der jungen MĂ€nner sind zu dick. 60% der Weltbevölkerung bewegen sich weniger als 30 Minuten am Tag, Bewegung und körperliche Arbeit werden immer weniger, die Kalorienzufuhr steigt. Die Folge: in den meisten europĂ€ischen LĂ€ndern sind zwei von drei MĂ€nnern und jede 2. Frau ĂŒbergewichtig. Hinzu kommen die chronischen Begleiterkrankungen des Herz- und Bewegungsapparats mit der Folge steigender Kosten fĂŒr das Gesundheitssystem. Eine weitere Verschlechterung der Situation in den nĂ€chsten Jahren ist zu erwarten: dringend erforderlich sind PrĂ€ventionskampagnen, die eine LebensstilĂ€nderung hin zu einer gesĂŒnderen und “bewegteren” Lebensweise fördern.
Insbesondere bei 20- bis 25-JĂ€hrigen hat Übergewicht desaströsen Einfluß auf die Gesundheit. Bei den 25-jĂ€hrigen MĂ€nnern aber sind bereits 50% ĂŒbergewichtig, 60% rauchen und rund ein Drittel ist sportabstinent. Zwar ist nur ein Viertel der 16- bis 25-jĂ€hrigen Frauen ĂŒbergewichtig, jedoch waren die weiblichen Studienteilnehmer wesentlich seltener sportlich aktiv. Lediglich ein Viertel aller Studienteilnehmer weist keinen der untersuchten kardiovaskulĂ€ren Risikofaktoren auf.
Großen Einfluss hat auch das Bildungsniveau. Die Gefahr, wenigstens einen kardiovaskulĂ€ren Risikofaktor im jungen Erwachsenenalter zu erwerben, ist mit abnehmenden Bildungsniveau deutlich grĂ¶ĂŸer: Im Vergleich zu Abiturienten/Gymnasiasten ist das Risiko der RealschĂŒler um den Faktor 3,2 erhöht, bei den HauptschĂŒlern ist es mehr als fĂŒnfmal so hoch.

Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind bei Menschen um die FĂŒnfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 24,3 und MĂ€nner mit einem BMI von 25,3. Dies sind die Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Langzeitstudien weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch die Fettverteilung fĂŒr das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist. Das Deutsche Institut fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung Potsdam-RehbrĂŒcke (DIfE) veröffentlichte kĂŒrzlich seine Forschungsergebnisse in der Zeitschrift New England Journal of Medicine. Die Daten der europaweiten EPIC*-Studie, welche insbesondere den Taillen- und HĂŒftumfang berĂŒcksichtigen, boten die grĂ¶ĂŸte zurzeit verfĂŒgbare Datenbasis und erlaubten somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko.

“Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhĂ€ngig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst”, sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklĂ€ren, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufweisen wĂŒrden. In der vorliegenden Studie hatten Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie stark Übergewichtige. “Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/HĂŒftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine EinschĂ€tzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend”, ergĂ€nzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Als Ursache fĂŒr den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.

Im Vergleich zu MĂ€nnern mit einem Taillen-HĂŒftumfang-Quotienten unter 0,89 haben MĂ€nner mit einem Quotienten ĂŒber 0,99 ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko fĂŒr fortgeschrittenen Prostatakrebs. Bei europĂ€ischen MĂ€nnern ist diese Krebsart die am hĂ€ufigsten diagnostizierte und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthĂ€ufigste krebsbedingte Todesursache. Die Ursachen fĂŒr Prostatakrebs sind noch wenig erforscht. Bekannte Risikofaktoren sind ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen. Die GrĂŒnde fĂŒr den Zusammenhang zwischen Taillenumfang und dem Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, sind noch unklar.
Den Taillen-HĂŒftumfang-Quotient berechnet man, indem man den Wert des Taillenumfangs durch den des HĂŒftumfangs teilt.  Der Taillenumfang und auch der Taillen-HĂŒftumfang-Quotient lassen auf die Menge an Körperfett schließen, die im Bauchraum eingelagert ist. Das Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziert auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern.

* EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition
Quellen:
– MedAustria, 200811
New England Journal of Medicine, Vol 359:2105-2120
Dt Ärztebl. 2008; 105(46): 793-800 (doi: 10.3238/arztebl.2008.0793

Noch mehr zum Thema Körpergewicht und Essstörungen:

Übersichts-Artikel “Eßstörungen”
Literaturtipps zum Thema

06.01.16