Oct 01

Der Begriff Pelvipathie (Pelvipathia) steht fĂŒr chronische (= lĂ€nger als sechs Monate anhaltende) Unterbauchschmerzen (Schmerzen im unteren Bauchabschnitt bzw. kleinen Becken, meist in Form von KrampfzustĂ€nden) bei Frauen. Die Schmerzen treten unabhĂ€ngig von Geschlechtsverkehr und Zyklus auf.

Weitere gebrÀuchliche Bezeichnungen sind Pelvipathia, chronic pelvic pain (CPP) und Hysteralgie.

In den USA leiden ca. 15% oder ca. 9,2 Mio. Frauen zwischen 18 und 55 Jahren an chronischen Unterbauchschmerzen. Etwa 10% aller ambulanten Patientinnen, 30–40% aller Laparoskopien und ca. 10–20% der Hysterektomien werden jĂ€hrlich wegen Pelvipathie in den USA durchgefĂŒhrt.

Doch eine Frau, die stĂ€ndig Unterleibsschmerzen hat, streicht das Thema Sexualkontakt selbstverstĂ€ndlich. Dies und die HĂ€ufigkeit des Störungsbildes dĂŒrften ein Grund dafĂŒr sein, dass von dieser versteckten Sexualstörung – im Vordergrund stehen ja die Schmerzen, die den Gedanken an Geschlechtsverkehr erst gar nicht aufkommen lassen – den USA etwa 15 Prozent der Frauen betroffen sind. Die bei den Betroffenen hĂ€ufige depressive Symptomatik wiederum kann den Teufelskreis von Schmerzen und BeeintrĂ€chtigung der LebensqualitĂ€t noch weiter anheizen.

Beim GynĂ€kologen werden die Patientinnen meist mit einer invasiven Diagnostik und Therapie versorgt – die einseitig organbezogenen Eingriffe wie AdhĂ€siolysen und Hysterektomien verstĂ€rken die Symptomatik aber hĂ€ufig sogar noch. Denn ganz wesentlich dĂŒrften psychovegetative ZusammenhĂ€nge an der Entstehung von Pelvipathien zumindest mitbeteiligt sein. In den zahlreichen FĂ€llen (etwa 40%) ohne ausreichenden Organbefund handelt es sich meist um stressbedingte Erkrankungen. Die Schmerzen können ferner auch ein Ausdruck unbewĂ€ltigter Konflikte sein, etwa in der Partnerschaft, aber auch nach Missbrauch oder anderen traumatischen Erlebnissen. Der psychische Druck Ă€ußert sich dann in einer Anspannung des Unterleibs, was auf Dauer Schmerzen verursacht. Oft rĂŒhren die stĂ€ndigen Beschwerden auch von Myomen, Bindegewebsverwachsungen oder einer Endometriose. FĂŒr 60 Prozent der PelvipathiefĂ€lle könnten sogar Erkrankungen verantwortlich sein, die nicht im gynĂ€kologischen Bereich liegen, etwa Darm-, Nieren- oder RĂŒckenleiden, wie eine amerikanische Studie im Jahre 2006 (s.u.) aufzeigte. Ein “blinder Fleck” scheint in der Studie allerdings bestanden zu haben, dass ja auch psychische Ursachen dazu fĂŒhren können, dass keine Befunde in den Fortpflanzungsorganen zutage gefördert werden können.
So haben Frauen mit chronischen Unterbauchbeschwerden hĂ€ufig auch andere (etwa somatoforme) Störungen oder Depressionen (60%). Von den Betroffenen beklagen 65–79 % ein Reizdarmsyndrom, 30–70 % “abdominale myofasziale Schmerzen” (hĂ€ufig in der NĂ€he von Operationsnarben) und 5–10 % urologische Symptome (Reizblase, Schmerzen beim oder nach dem Harnlassen, Pollakisurie,..). Daneben besteht mitunter auch ein nichtorganischer Fluor vaginalis als Ausdruck der vegetativen Erregung, ein genitaler Juckreiz (meist im Vulva-Bereich, aber auch in der Scheide), ein analer Juckreiz, eine Dysmenorrhö, prĂ€menstruelle Beschwerden und funktionelle Sexualstörungen. Bei manchen Patientinnen besteht auch eine nichtorganische Vulvodynie.

Aus den angefĂŒhrten GrĂŒnden sollten sorgfĂ€ltige körperliche Untersuchungen, die nicht nur die Genitalorgane einschließen, am Beginn der Behandlung stehen und deren weiteren Verlauf bestimmen. Je nach Befund können dann etwa Medikamente, eine Operation oder physikalische Maßnahmen erfolgen. Wurden keine körperlichen Ursachen gefunden, sollte Psychotherapie oder Sexualtherapie in Anspruch genommen werden – nicht nur, um herauszufinden, welche psychischen Ursachen zu den körperlichen Schmerzen fĂŒhren, sondern auch im Laufe der Behandlung wieder zu einer entspannten und erfĂŒllten SexualitĂ€t zurĂŒckfinden zu können. Hypnotherapie kann sich speziell fĂŒr die Schmerztherapie sowie als Entspannungsverfahren als nĂŒtzlich erweisen. Die interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut ist bei Pelvipathie eine Vorgangsweise, die sich fĂŒr die effiziente Behandlung gut bewĂ€hrt hat.

(Quellen: Leserman J, Zolnoun D, Meltzer-Brody S, Lamvu G, Steege JF. Identification of diagnostic subtypes of chronic pelvic pain and how subtypes differ in health status and trauma history. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2006;195(2):554-560; Wikipedia, Pelvipathie.de)

Aug 20

Myalgic Encephalomyelitis (ME) – besser bekannt als Chronic Fatigue Syndrome (CFS) – betrifft rund eine Million Menschen in den USA und noch mehr in Europa. Dennoch gibt es viel zu wenige intensive Forschungsinitiativen, kritisieren Experten in einer Aussendung. Die Zahl der Patienten steige an, aber das Wissen ĂŒber mögliche Behandlungsmethoden fehle.

Im Krankheitsverlauf zeigen sich meist neurologische, immunologische und endokrine AuffĂ€lligkeiten. Die Ursachen sind – trotz einer Vielzahl von Studien, die vor allem auf biologische und Umweltfaktoren abzielen – bis heute ungeklĂ€rt, es gibt nicht einmal laboratorische Tests oder Biomarker, die Hinweise auf bestimmte organische Komponenten geben könnten. Zu den hĂ€ufigsten Symptomen von CFS gehören Muskel-und Gelenkschmerzen, kognitive Schwierigkeiten, chronische geistige und körperliche Erschöpfung bei vorheriger Gesundheit und normaler AktivitĂ€t. ZusĂ€tzlich mögliche Symptome sind MuskelschwĂ€che, HypersensibilitĂ€t, Verdauungsstörungen, Depressionen, reduzierte Immunabwehr sowie Herz-und Atemwegserkrankungen – bemerkenswerterweise alles Symptome, die auch beim Burnout hĂ€ufig sind. Es ist jedoch unklar, ob diese Symptome einander gegenseitig verstĂ€rken oder nur das Ergebnis der “eigentlichen” CFS sind. Um die Diagnose CFS zu rechtfertigen, dĂŒrfen die Symptome nicht durch andere Erkrankungen verursacht werden.

Das Resultat der schlechten Forschungslage und Information ist wohl, dass die Krankheit oft jahrelang undiagnostiziert und unbehandelt bleibt. Das Vorkommen der Krankheit und ihr Einfluss auf das Gesundheitswesen sei höher als besser erforschte Krankheiten wie Multiple Sklerose oder HIV, so der belgische Forscher belgische Kenny De Meirleir. ME/CFS ist ihm zufolge eine chronische Krankheit, die die LebensqualitÀt der Betroffenen enorm einschrÀnke.

Professor Luc Montagnier – NobelpreistrĂ€ger 2009 fĂŒr Medizin – meint, dass das Wissen, das ĂŒber das Syndrom bereits existiert, medizinisches Personal aber entweder nicht erreicht oder es zu wenig ernst genommen wird. Montagnier, einer der Mitendecker des HI-Virus, unterstĂŒtzt einen neu gegrĂŒndeten Think Tank zur Erforschung und Bewusstmachung der Krankheit. Die mit diesem verbundene Organisation “European Society for ME” (ESME) hat das Ziel, das Bewusstsein und die Forschung fĂŒr die ernst zu nehmende Erkrankung interdisziplinĂ€r zu schĂ€rfen.

(Quelle: European Society for ME)

May 13

A Connection for Life : Body and Psyche (Psychosomatic Illness)

All of us have heard of it – the ‘mysterious’ effects of the psyche on the human body. Indeed, latest studies show that we can imagine our constitution like the fuel pump in a car: its performance defines whether our ‘vehicle’ can drive with full force, if it starts to stutter – or in extreme cases even ceases its service. Whether our soul suffers or groans will always affect its ‘life partner’: our body.

Heart and circulatory diseases, such of the digestive system, problems with spine and joints, but also fluctuations in hormone levels or neurotransmitter imbalances: psychological burden is often a contributing cause. Also, mental states seem to influence the incidence of atopic dermatitis, diabetes and sexual problems as well as on the progression of cancer, as recent metastudies illustrate.

But let’s look the other way now and ask ourselves: what can we do to make it easier for our body? Most of all, it is important to cut down on all forms of stress (even if purely psychological), addictions and bad eating habits, all of which are often associated with depression as well. Meditation and Yoga are great to improve physical and mental balance. counseling and psychotherapy can help to get rid of the ‘millstones of the soul’ – often surprisingly quick – and thus relieve our bodies from the creeping loss of vitality and energy.

(This short article is part of a weekly series dealing with psychological expat problems and general mental health issues and was published in various newspapers and magazines in Thailand, 2010)

Feb 10

Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung leiden mindestens einmal im Leben unter WirbelsĂ€ulenbeschwerden. Was von Patienten wie auch von Ärzten hĂ€ufig unterschĂ€tzt wird, ist jedoch, daß gerade bei chronischen RĂŒckenschmerzen immer auch mögliche psychische Ursachen mitberĂŒcksichtigt werden sollten. Stress, Depressionen, AngstzustĂ€nde, oder ein Burnout-Syndrom können mögliche Auslöser sein. Diesem Thema widmet sich der 4. “CEOPS-Schmerzkongress”, der am 27. Februar im OrthopĂ€dischen Spital Speising in Wien stattfindet.

Experten aus verschiedenen Fachrichtungen diskutieren ĂŒber das sog. “biopsychologische Schmerzmodell”. “Es gehört zu den Hauptaufgaben der Schmerztherapeuten, chronische RĂŒckenleiden zu lindern. “Dabei dĂŒrfen wir die psychologische Komponente nicht vergessen”, sagte KongressprĂ€sident Martin Friedrich in einem Interview. In der modernen Schmerztherapie sollten Psychologen oder Psychotherapeuten deshalb mit zum Behandlungsteam von Schmerzpatienten gehören.

Jan 20

Nach einer Analyse der Daten von 2.755 mĂ€nnlichen Angestellten, welche zu Beginn einer kĂŒrzlich abgeschlossenen Studie des Stressforskningsinstitutet der UniversitĂ€t Stockholm noch keinen Herzanfall erlitten hatten, zeigte sich zumindest fĂŒr MĂ€nner eine Assoziation zwischen “unterdrĂŒckter BewĂ€ltigung” infolge einer unfair gefĂŒhlten Behandlung und gesteigertem kardialem Risiko.

FĂŒr die Untersuchung wurden die verschiedenen Strategien, Dinge fĂŒr sich zu behalten, als unterdrĂŒckte BewĂ€ltigung definiert. Die Teilnehmer wurden gefragt, welche Strategien sie anwendeten: Ereignisse vorbeigehen zu lassen ohne etwas zu sagen, aus einem Konflikt einfach auszusteigen, Symptome wie Kopf- oder Magenschmerzen zu haben oder zu Hause schlechter Laune zu sein. Faktoren wie Rauchen, Alkohol, körperliche AktivitĂ€t, Bildung, Diabetes, Anforderungen im Beruf und Entscheidungsfreiheit wurden berĂŒcksichtigt, Blutdruck, BMI und Cholesterinwerte gemessen. Die MĂ€nner waren zu Beginn der Studie in den Jahren 1992 bis 1995 durchschnittlich 41 Jahre alt. Informationen ĂŒber einen Myokardinfarkt oder Tod aufgrund eines Herzanfalls bis zum Jahr 2003 wurden aus den nationalen Datenbanken zu Krankenhausaufenthalten und TodesfĂ€llen entnommen.

Bis 2003 hatten 47 der 2.755 MĂ€nner einen Myokardinfarkt oder starben an einer Herzerkrankung. Jene, die hĂ€ufig oder oft einfach einem Konflikt auswichen oder nichts sagten, verfĂŒgten ĂŒber ein doppelt so hohes Herzrisiko als jene MĂ€nner, die sich unangenehmen Situationen stellen und versuchten sie zu lösen (2,29 [95% CI 1,00-5,29]). Kopf- und Magenschmerzen oder schlechte Laune zu Hause erhöhten das Risiko nicht.

(Quellen: J Epidemiol Community Health; 2009, Nov 24; MedAustria)

Nov 27
Bildquelle: alphachimp.com

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Chronische Schmerzen – etwa verursacht durch Beschwerden des StĂŒtz- und Bewegungsapparates, an denen 70-80% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens erkranken – haben dramatische Auswirkungen auf die LebensqualitĂ€t. So hat, wie eine aktuelle Studie des EuropĂ€ischen Dachverbandes von Schmerzgesellschaften EFIC zeigt, jeder vierte Schmerzpatient ein eingeschrĂ€nktes Sozialleben, fast ein Drittel der Schmerzpatienten bĂŒĂŸt an UnabhĂ€ngigkeit ein. MĂŒdigkeit, Erschöpfung, ein eingeschrĂ€nktes Sexualleben und Konzentrationsstörungen treten ebenso hĂ€ufig auf. Und nicht zuletzt haben Schmerzpatienten auch ein drei Mal höheres Risiko als der Bevölkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln.

Depression ist zugleich Auslöser und VerstĂ€rker von Schmerzen, und Schmerzen sind umgekehrt eine Ursache von Depression. Chronische Schmerzpatienten haben ein drei Mal höheres Risiko als der Bevölkerungsdurchschnitt, eine psychiatrische Erkrankung zu entwickeln, und Depressionspatienten haben ein drei Mal höheres Risiko fĂŒr eine chronische Schmerzerkrankung”, erklĂ€rt B. Kepplinger, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Mostviertel Amstetten-Mauer und SekretĂ€r der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) in einem Interview mit dem Standard.

Der Experte plĂ€diert angesichts dieser ZusammenhĂ€nge dafĂŒr, Schmerzpatienten systematisch auch auf Symptome einer Depression zu untersuchen: “Diese AufklĂ€rungsinitiative ist auch besonders wichtig, damit die vielen unerkannten Depressionen bei Schmerzpatienten demaskiert und adĂ€quat behandelt werden können. (..) FĂŒr die ZusammenhĂ€nge zwischen Schmerz und Psyche spricht auch die Wirksamkeit von Antidepressiva und psychotherapeutischen Verfahren in der Schmerz-Behandlung. Aus diesen GrĂŒnden gilt heute als unumstritten, dass Schmerzen nicht nur frĂŒhzeitig und ausreichend mit Medikamenten, sondern auch mit [psychotherapeutischen] Strategien behandelt werden mĂŒssen.”

(Quelle: Studie “Pain in Europe”, EFIC)

Sep 25

Laut österreichischem ErnĂ€hrungsbericht haben 42 Prozent der 18- bis 65-JĂ€hrigen Übergewicht, elf Prozent davon Adipositas. Besonders alarmierend: bereits jeder fĂŒnfte Bub und jedes sechste MĂ€dchen in Österreich ist ĂŒbergewichtig, 50 Prozent davon adipös. Im Vergleich zu Kindern mit Neurodermitis oder Asthma ist ihre LebensqualitĂ€t dabei besonders schlecht: weil Adipositas nicht als Krankheit gesehen wird, gelten sie als selbst schuld. Und spĂ€ter kommt nicht selten Diabetes als ganz reale und mit zahlreichen desaströsen körperlichen SchĂ€den verbundene Folgeerkrankung hinzu.

Der typische Ansatz von ĂŒbergewichtigen Menschen und deren Angehörigen mit dem Wunsch, das Gewicht zu reduzieren, sind DiĂ€ten. ErnĂ€hrungsumstellungen werden versucht, die aber in den allermeisten FĂ€llen scheitern und dann weitere Frustrationserlebnisse darstellen und den Teufelskreis zwischen Depression und VersagensgefĂŒhlen und dem BedĂŒrfnis, diese GefĂŒhle durch Essen zu kompensieren, anfeuern.

In einem lesenswerten Interview in der österreichischen Tageszeitung Der Standard, das auch online nachzulesen ist, geht eine ErnĂ€hrungswissenschaftlerin im GesprĂ€ch mit einem Soziologen der Frage nach, warum derartige Versuche so hĂ€ufig scheitern und wie ein Weg aus der Übergewichtsspirale heraus gefunden werden kann:

“Jede ErnĂ€hrungsumstellung bei starkem Übergewicht muss eine Kombination aus ErnĂ€hrungsberatung, Psychotherapie und Bewegung sein. Und langfristige Erfolge gibt es dann, wenn das soziale Umfeld – meist also die Familie – mitmacht und bereit ist, das Leben umzustellen. Damit werden dann nĂ€mlich soziale GefĂŒge verĂ€ndert, und der Betroffene ist mit seinem Problem nicht mehr allein.
(..) Bei Kindern wĂŒrde Therapie nicht mehr ohne Einbeziehung der Eltern gemacht werden.”

Sep 24

Patienten mit einer Depression leiden hĂ€ufiger und stĂ€rker unter Schmerzen, die sich nicht bzw. nicht vollstĂ€ndig mit einer organischen Grundlage begrĂŒnden lassen, als Patienten ohne Depressionen. “Dabei sind Frauen deutlich stĂ€rker von Depressionen und auch von den so genannten somatoformen Schmerzen betroffen als MĂ€nner”, teilt Dirk Frieser vom Institut fĂŒr Psychologie der Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz in einer Aussendung mit. Im Rahmen einer Doktorarbeit hat er zusammen mit Stephanie Körber Patienten Mainzer Hausarztpraxen ĂŒber körperliche und psychische Parameter befragt. Anschließend wurden die Schmerzsymptome von den HausĂ€rzten beurteilt.

Symptome sind keine “Einbildung”

Somatoforme Symptome, auch als medizinisch nicht bzw. nicht vollstĂ€ndig erklĂ€rte Symptome bezeichnet, sind ein erstaunlich weit verbreitetes PhĂ€nomen. “In den allgemeinĂ€rztlichen Praxen sind bis zu 80 Prozent der Symptome somatoform”, so Frieser. Das heißt allerdings nicht, dass sich Patienten diese Symptome “einbilden”. Somatoforme Symptome werden wahrgenommen, beeintrĂ€chtigen die LebensfĂŒhrung und verursachen mitunter klinisch relevantes Leid, das eine Psychotherapie rechtfertigt.

Zum Krankheitsbild einer somatoformen Störung gehören neben Schmerzsymptomen oftmals auch Symptome wie Schwindel, Missempfindungen in unterschiedlichen Körperbereichen, aber auch ErschöpfungsgefĂŒhle oder MĂŒdigkeit. Wichtig, so Frieser, sei jedoch, dass nicht jeder, der somatoforme Symptome aufweise, auch eine diagnostizierte somatoforme Störung habe. Dies hĂ€nge vor allem davon ab, welche BeeintrĂ€chtigung in der LebensfĂŒhrung bzw. welches psychische Leid fĂŒr den Patienten gegeben sei.

Zusammenhang von Depression und somatoformen Schmerzen

In der Mainzer Hausarztstudie wurde der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Depressionen auf das Schmerzerleben von Patienten haben und ob sich dies unterscheidet, wenn es sich um medizinisch nicht erklĂ€rte Schmerzen beziehungsweise um medizinisch erklĂ€rte Schmerzen handelt. “Das Ergebnis weißt daraufhin, dass bei Patienten, die aktuell unter einer Depression leiden oder in den letzten zwölf Monaten davon betroffen waren, die Anzahl der somatoformen Schmerzen in unterschiedlichen Körperbereichen wesentlich höher ist als bei Patienten ohne Depressionen.” Frieser zufolge könnten daher Menschen, die mit einer Vielzahl von Schmerzen in die Hausarztpraxis kommen, die nicht vollstĂ€ndig medizinisch erklĂ€rt sind, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine behandlungsbedĂŒrftige Depression aufweisen.

Mehrheit von Schmerzen ist somatoform

Welche Bedeutung die richtige Einordnung und Beurteilung der Schmerzerkrankungen im Hinblick auf das Gesundheitswesen hat, zeigt das Ergebnis der Mainzer Hausarztstudie, wonach 73 Prozent der Schmerzen von den HausĂ€rzten als somatoform beurteilt wurden und sich demgegenĂŒber nur 27 Prozent medizinisch vollstĂ€ndig begrĂŒnden ließen. Im Falle der organisch erklĂ€rten Schmerzen macht es auch keinen Unterschied, ob die Patienten unter einer Depression leiden oder nicht: Anzahl, Dauer und BeeintrĂ€chtigung durch die Schmerzen sind hier in beiden Patientengruppen in etwa gleich.

(Quelle: Der Standard, 07/2009)

Sep 24

Trauernde, die einen Nahestehenden verloren haben, erkranken deutlich hĂ€ufiger an Herzkrankheiten – die entsprechenden HintergrĂŒnde wurden nun von Ärzten an der Sydney Medical School und der Faculty of Nursery and Midwifery der UniversitĂ€t Sydney untersucht. Bisher wurden die GrĂŒnde fĂŒr das erhöhte Erkrankungsrisiko im akuten Stress der Betroffenen gesehen, die weiteren ZusammenhĂ€nge blieben jedoch weitgehend unklar. Die Studienteilnehmer litten quer durch alle Altersgruppen an Ängsten, Depressionen, Zornsymptomen, erhöhten Stresshormon-Werten sowie an verringertem Schlaf und Appetit, daneben wurden Zunahmen des Blutdrucks und der Herzfrequenz festgestellt. VerĂ€ndert waren auch die Immunantworten sowie die Blutgerinnung. All diese VerĂ€nderungen finden sich auch bei Menschen, welche vor einem Herzinfarkt stehen.

Erste deutliche Verbesserungen der Symptomatik konnten durch Informationen ĂŒber die genaue Todesursache des Verstorbenen erreicht werden. Weiters stelle die bewußte psychische Aufarbeitung eines Todesfalles eine wesentliche Voraussetzung zur Vermeidung eigener gesundheitlicher Folgen dar. Je frĂŒher diese beginne, desto besser, so die Studienleiter, welche darauf hinweisen, daß es in der traditionellen Medizin der meisten Völker – im Unterschied zum wesetlichen Kulturkreis – eine intensive Auseinandersetzung nach dem Verlust eines Familienangehörigen gibt. “Auch bei uns wĂ€re dies dringend zu empfehlen. An wen man sich hier wendet, ob es sich um eine Selbsthilfegruppe, einen Psychologen oder Psychotherapeuten handelt, ist egal, solange es dabei unterstĂŒtzt, das Thema aufzuarbeiten”, meint Lehner.

Quellen: [1], [2]

Sep 10

Depression erhöht bei Defi-TrĂ€gern das Sterberisiko – und HerzschwĂ€che macht depressiv … das in etwa sind die Ergebnisse zweier Studien, die vor kurzem in Deutschland veröffentlicht wurden.

Ein Forscherteam im Herzzentrum MĂŒnchen hatte die Daten von 236 Patientinnen und Patienten, denen ein ICD (implantierter Defibrillator) implantiert worden war, ĂŒber mehr als sechs Jahre ausgewertet. 21 Prozent von ihnen litten an Depressionssymptomen, und das absolute MortalitĂ€tsrisiko war bei ihnen deutlich höher als bei den nicht depressiven Defi-Patienten, so die Wissenschafter: “GegenĂŒber 45,1 TodesfĂ€llen pro 1000 Patientenjahren in der depressionsfreien Patientengruppe verdoppelte sich das Risiko in der Depressionsgruppe nahezu, mit 80,3 TodesfĂ€llen pro 1000 Patientenjahren.” Auch wenn die genauen Ursachen dafĂŒr noch nicht erforscht sind, sei es nötig, der seelischen Gesundheit von ICD-Patienten mehr Aufmerksamkeit zu widmen, fordern die MĂŒnchner Experten.

Doch Depression ist auch fĂŒr andere Gruppen von Herzkranken ein großes Problem, wie eine Studie aus Bochum und Bad Oeynhausen zeigt. Patienten mit chronischer HerzschwĂ€che (Herzinsuffizienz, HI), die stationĂ€r behandelt werden, haben besonders hĂ€ufig Angst- und Depressionssymptome. “Fast die HĂ€lfte der Patienten hatten Angstsymptome und ein Drittel Hinweise auf DepressivitĂ€t”, berichten die Forscher. “Drei Monate nach der Entlassung nahm der Anteil der Patienten mit Angst von 47,3 auf 33,3 Prozent signifikant ab. Der prozentuale Anteil von Patienten mit DepressivitĂ€t blieb unverĂ€ndert, allerdings nahm der Schweregrad der DepressivitĂ€t zu. Der Verlauf der psychischen Symptome wurde durch die Art der interventionellen kardiologischen Behandlung nicht beeinflusst.”

Quelle: 75. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Kardiologie

06.01.16