Dec 29

Eine sehr interessante Auflistung von Studien findet sich in einem Artikel [1] in Telepolis: in diesen wurde nachgewiesen, da√ü bestimmte psychologische Tendenzen oder pers√∂nliche Neigungen sich offenbar in den sozialen Netzen, in denen sie auftreten, im Laufe der Zeit verbreiten. Was in bestimmten F√§llen (Rauchentw√∂hnung, Spa√ü an bestimmten T√§tigkeiten, Lebenszufriedenheit und Gl√ľck) ein Segen sein kann, ist in anderen (Einsamkeit, E√üst√∂rungen, Kriminalit√§t, Depression) wohl ein Fluch… Erkl√§rbar ist diese Neigung wohl mit der enormen Wichtigkeit, die unser engeres soziales¬†Umfeld seit urgeschichtlichen Zeiten hatte. Einzelg√§nger hatten w√§hrend den Anf√§ngen der Menschheit keine Chance zu √ľberleben, jeder war gut beraten, sich mit dem eigenen “tribe” zu arrangieren und die eigenen sozialen Parameter mit jenen der anderen Gruppenmitglieder abzustimmen. Im Grunde ist dies auch heute noch wichtig – wenn es sich viele auch nicht eingestehen m√∂gen, wo doch der Individualismus (z.T. sogar auf Kosten anderer) das aktuelle gesellschaftliche Ideal in der westlichen Kultur darstellt. Die vorliegenden Studien zeigen, wie sehr wir de facto unbewu√üt mit unserem sozialen Umfeld verbunden sind und uns diesem anpassen.

In eine √§hnliche Kerbe schlagen auch zwei andere Artikel der Website: laut aktuellen Statistiken habe sich die H√§ufigkeit von St√∂rungen aus dem Autismus-Spektrum [2] (z.B. auch Asperger-Syndrom) und antisozialem Verhalten [3] w√§hrend der letzten Jahre signifikant erh√∂ht. Bereits 1% der 8-J√§hrigen (1 von 110 Kindern) soll autistisch sein, im Jahre 2007 war es noch 1 von 150 Kindern. Und in England, wo seit 1998 “antisoziales Verhalten” definiert und schlie√ülich die ber√ľchtigten “Anti-Social Behaviour Orders” (ASBO) erlassen wurden, ist mittlerweile angeblich jede Sekunde ein Brite “Opfer von antisozialem Verhalten”. Was nicht allzu verwunderlich ist, liest man in den entsprechenden Unterlagen, da√ü schon “teenagers hanging around on the streets” als antisozial einzustufen sind.
Der sprunghafte Zunahme derartiger Zahlen k√∂nnte ganz einfach darin liegen, dass √Ąrzte, P√§dadogen oder Richter Kinder h√§ufiger entsprechend einstufen:

“Wenn neue Normen und damit Normverletzungen von einer Gesellschaft eingef√ľhrt werden, w√§chst auch die Wahrnehmung daf√ľr. Wenn es sich um vermeintlich abweichendes Verhalten handelt, w√§chst die Angst, die zuvor m√∂glicherweise gar nicht vorhanden war. Ganz √§hnlich ist das mit neuen St√∂rungen und Krankheitsbildern. Pl√∂tzlich gibt es eine Welle an Autismus, Internetsucht oder Aufmerksamkeitsst√∂rungen. Und keiner wei√ü wirklich, ob es neue Krankheitsformen sind oder sich eben nur die Norm verschoben hat.”

Quellen: [1], [2], [3]

Oct 20

An der Universit√§t Wisconsin-Madison wurden 1.200 Autismus-F√§lle und 300.000 Geburten untersucht, ca. 50% mehr als in jeder anderen zuvor durchgef√ľhrten, einschl√§gigen Studie. Hierbei wurde nachgewiesen, da√ü die Erstgeborenen sowie die Kinder √§lterer Eltern ein besonders hohes Risiko haben, an Autismus zu erkranken.

Das Risiko eines erstgeborenen Kindes, an einer Krankheit des autistischen Spektrums zu erkranken, verdreifachte sich, nachdem eine Mutter das 35. Lebensjahr, und der Vater das 40. Lebensjahr erreichte. Mit jeder Erhöhung des Alters der Eltern um 10 Jahre stieg das Risiko um etwa 20%. Das als viertes geborene Kind hatte nur etwa das halbe Risiko, unabhängig vom Alter der Eltern.

√úber die Gr√ľnde f√ľr diese Zusammenh√§nge sind die Forscher noch im Unklaren. Am wahrscheinlichsten werden als Grund f√ľr die Verbindung zwischen dem Lebensalter der Eltern und dem St√∂rungsbild genetische Faktoren (z.B. altersbedingte Sch√§den an den Chromosomen), toxische Einfl√ľsse (die Toxinanreicherung im menschlichen K√∂rper nimmt mit dem Alter zu) oder die Folgen von Hormonbehandlungen mit dem Ziel einer k√ľnstlichen Befruchtung angenommen. James Crow, ein Genetiker an der Universit√§t, will die ersteren (genetischen) Ursachen allerdings eher ausschlie√üen, da die altersbedingten genetischen Ver√§nderungen bei M√§nnern und Frauen unterschiedlich sind und die beobachteten Zusammenh√§nge nicht vollst√§ndig erkl√§ren k√∂nnten.
Das scheinbar h√∂here “Risiko” f√ľr Erstgeborene sieht Crow nicht als solches, sondern erkl√§rt den verh√§ltnism√§√üig hohen Prozentsatz damit, da√ü Frauen nach der Geburt eines (ersten) autistischen Kindes zumeist kein zweites mehr zur Welt bringen. Seine Kollegin Durkin jedoch m√∂chte einen Zusammenhang nicht ausschlie√üen: im Laufe der bisherigen Lebensjahre akkumulierte Toxine etwa w√ľrden m√∂glicherweise in den F√∂tus des Erstgeborenen eingelagert oder √ľber die Muttermilch √ľbertragen, und sp√§ter dann ein etwaiges zweites Kind nicht mehr so stark belasten. Auch w√ľrde Autismus h√§ufig ja erst nach dem 2. oder 3. Lebensjahr diagnostiziert – einem Zeitraum, in dem viele M√ľtter bereits das 2. Kind empfangen haben. Ein weiterer Grund k√∂nnte dar√ľber hinaus auch eine Autoimmun-Reaktion des kindlichen Hirns sein, da Erstgeborene weniger stark von anderen Kindern verbreiteten Infektionen ausgesetzt sind. Impfsch√§den werden als Ursachen f√ľr autistische St√∂rungen ausgeschlossen – diese waren zwar nicht Untersuchungsgegenstand, schon in fr√ľheren Untersuchungen konnte jedoch kein einschl√§giger Zusammenhang festgestellt werden.

Störungen aus dem autistischen Spektrum werden etwa bei jedem 150. Menschen festgestellt, mit steigender Tendenz.

Literatur zum Thema

(Quelle: APA, 01.01.2009)

Update zum Blog-Artikel vom 20.10.2009 u. 10.02.2010:

Das Ergebnis der angef√ľhrten Studie wird auch durch eine neuere Untersuchung von Daten des California Department of Development Services best√§tigt. Sowohl ein h√∂heres Alter der Mutter als auch beider Elternteile sind unabh√§ngig mit einer Steigerung des Autismus-Risikos des Nachwuchses assoziiert. Aufzeichnungen von 7.550.026 Kindern, die zwischen 1989 und 2002 geboren wurden, wurden untersucht und dabei autistische Kinder (n=23.311) identifiziert und mit dem Rest der Studienpopulation verglichen. Ein Anstieg des Alters der Mutter war um 10 Jahre mit einer 38%igen Steigerung des Autismus-Risikos assoziiert, ein Anstieg des Alters beider Eltern um 10 Jahre mit einer 22%igen Steigerung des Autismus-Risikos.¬† Es scheinen also eindeutig biologische Mechanismen f√ľr die oben beschriebene unabh√§ngige Assoziation zwischen m√ľtterlichem und elterlichem Alter und Autismusrisiko vorzliegen. [Quellen]

Nov 16

“Autisten sehen fast so gut wie Greifv√∂gel”, titelte der Standard. ūüôā

Denn autistische Menschen sehen tats√§chlich fast so scharf wie ein Habicht, wie Sehtests an der Universit√§t Cambridge unter der Leitung von Emma Ashwin ergaben. In dem Experiment konnten die 15 Probanden im Mittel bereits aus 20 Metern Details erkennen, die ein Normalsichtiger erst aus sieben Metern unterscheiden kann. Damit sehen Autisten fast so gut wie Greifv√∂gel, die aus 20 Metern schon sehen, was Menschen erst aus sechs Metern Entfernung wahrnehmen.¬†Bei vielen Autisten zeigt sich u.a. auch eine gesteigerte Empfindlichkeit der Sinne. Dass diese nicht nur auf h√∂herer Sensibilit√§t, sondern auch auf k√∂rperlichen Eigenschaften beruht, ist eine neue Entdeckung. Mehr dar√ľber finden Sie in der Dezember-Ausgabe des Magazins “Geo”.

06.01.16