Jan 20

Laut internen Statistiken der italienischen Gesellschaft zur Bek√§mpfung der Suchtkrankheiten (SIIPAC) ist im vergangenen Jahrzehnt die Zahl der einkaufss√ľchtigen ItalienerInnen um zehn Prozent gewachsen und betrifft heute in Italien ca. 5% der erwachsenen Bev√∂lkerung.

85 Prozent der “Shopaholics” seien Frauen, doch in den vergangenen Jahren habe auch die Zahl der betroffenen M√§nner stark zugenommen. “An Shopping-Manie leiden normale Menschen, die meist zwischen 35 und 40 Jahren sind. Einige sind sogar zu illegalem Verhalten bereit, um sich das Geld zum Einkaufen neuer Dinge zu verschaffen”, so C. Guerreschi, Pr√§sident der Gesellschaft.

In einem Interview mit dem Magazin “Girl” hat Victoria Beckham offen ihr zwanghaftes Einkaufen zugegeben: “Zu Weihnachten habe ich zu viel ausgegeben. Konsum ist wie eine Droge. Je mehr man hat, desto mehr w√ľnscht man sich. Wenn ich in Mailand bin, kann ich der Versuchung nicht widerstehen. All diese Waren in den wundersch√∂nen Boutiquen rufen mir zu: ‘Kauf mich, bitte kauf mich”, erkl√§rte sie. Zur Entschuldigung meinte sie: “Shopping hilft der Wirtschaft in dieser Krisensituation.”

Beckham liegt offenbar im Trend, denn viele Betroffenen kaufen aus Frust, Mangel an sozialen Kontakten oder Depression ein. Nur selten werden die gekauften Kleider, elektronischen Artikel oder Accessoires wirklich benötigt, sondern bleiben meist ungenutzt in den Schränken liegen. Ein Problem erkennen die meisten erst dann, wenn sie sich wegen ihrer Sucht verschulden.

Die “Shopping-Manie” wird in Italien wie auch die Spielsucht bereits als Krankheit behandelt. “Oft werden Patienten von ihren Angeh√∂rigen zu uns gebracht, nachdem sie die Familie finanziell an den Rand des Bankrotts getrieben haben”, so ein Psychologe der Organisation. “Die tiefe Ursache ist Depression, die zum Zwang f√ľhrt, mit Materiellem die innere Leere zu f√ľllen. Hinter der Sucht stehen auch Angst und Flucht vor der Verantwortung”, so der Psychologe.

Dec 19

Das √∂sterreichische Testmagazin “Konsument” vergleicht in seiner J√§nner-Ausgabe nikotinfreie Therapiehilfen. Das Ergebnis: Beratung und psychotherapeutische Unterst√ľtzung, eventuell in Kombination mit Medikamenten, f√ľhren eher zur Abstinenz als viele “alternative” Mittel.

Unter den rezeptpflichtigen Medikamenten zeigte sich bei Varenicilin, da√ü es h√§ufig Nebeneffekte mit sich bringt, etwa Kopfschmerzen, √úbelkeit und Schlaflosigkeit sowie depressive Verstimmungen. Nach einem Jahr liegt die Abstinenzrate bei 20%, unklar ist jedoch, ob der Effekt √ľber die Anwendungsdauer hinaus anh√§lt. Beim “Antidepressivum” Bupropion (aka Wellbutrin, Amfebutamon, Zyban) existieren noch zu wenig Daten bez√ľglich Nebenwirkungen und Langzeiterfolg, kurzfristig jedoch kann es bei der Entw√∂hnung unterst√ľtzen.

Zu Hom√∂opathie, Bachbl√ľtentherapie und Akupunktur wurde von Konsument festgestellt, da√ü bisher “kein wissenschaftlicher Beweis f√ľr eine √ľber den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung vorliegt”.

Die Papaya, Haselnu√ü, Pfefferminz und Eukalyptus enthaltenden NTB-Kr√§uterretten sind g√ľnstig, die Belastung “mit toxischen und kanzerogenen Rauchinhaltstoffen” sei allerdings ebenfalls sehr hoch, so die Analyse. Zur Zigarettenattrappe Smoz aus Kunststoff mit Pfefferminz-, Erdbeer- oder Zitronenaroma weist der Hersteller selbst darauf hin, dass Smoz nicht f√ľr den Nikotinentzug geeignet ist.

Auch f√ľr den Einsatz von Hypnose in der Raucherentw√∂hnung gibt es laut “Konsument” bisher keine wissenschaftlichen Nachweise.

Raucherberatung und Psychotherapie: Die von Krankenkassen und √Ąrzten angebotenen Beratungen sowie psychotherapeutische Verfahren erh√∂hen die Erfolgsquoten deutlich, so die Tester. Bei einzelnen davon entspricht die Wirksamkeit jener einer Zyban-Behandlung: nach einem Jahr waren 39% rauchfrei, w√§hrend im gleichen Zeitraum nur 12% der medikament√∂s behandelten Raucher abstinent blieben.

Hinweis R.L.Fellner:
Den Testergebnissen zur Hypnose mu√ü allerdings deutlich widersprochen werden, jedenfalls, sofern “Hypnose” mit Hypnotherapie gleichgesetzt wird. Zur Wirksamkeit letzterer existieren umfangreiche Studien, die erste davon jene von Kline aus dem Jahre 1980. Allerdings weisen viele dieser Studien z.T. erhebliche methodische M√§ngel auf, wie C.C.Schweizer in ihrer Arbeit “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” korrekt feststellt. Dieser zufolge d√ľrfte die Erfolgsquote von Hypnotherapie je nach eingesetzter Methodik zwischen 25% und 46% liegen.

(Quellen: Konsument 01/2010, Der Standard 18.12.2009, Schweizer, Cornelie C., “Hypnotherapie bei Nikotinabusus” (Diss. , 2006), Kline M.V., “The Use Of Extended Group Hypnotherapy Sessions in Controlling Cigarette Habituation” in: The Internations Journal of Clinical and Experimental Hypnosis. 18. 270-282)

Oct 19

Wenn jemand viel mehr Waren erwirbt, als er sich leisten kann, dann ist dieses Verhalten vermutlich die Folge tiefliegender psychischer St√∂rungen, wie eine Studie des Uniklinikums Erlangen aufzeigt. Der Anteil der einschl√§gig Suchtgef√§hrdeten zwischen 14 und 24 Jahren ist in den letzten Jahren in Gesamteuropa deutlich gestiegen. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Insgesamt ist fast jeder dritte Mensch in √Ėsterreich ist zumindest kaufsuchtgef√§hrdet.

Im Rahmen der Studie wurde anhand standardisierter psychologischer Tests die psychische Gesundheit von kaufs√ľchtigen Personen mit der von gesunden sowie von essgest√∂rten Menschen verglichen. Das Ergebnis: Kaufs√ľchtige sind nicht nur stark verschuldet, sondern leiden sehr h√§ufig dar√ľber hinaus auch unter Depressionen, Angst- und Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen. 80% der Kaufs√ľchtigen hatten schwere √Ąngste, 63% litten an Depressionen, 23% an Essst√∂rungen. “Die Ergebnisse verdeutlichen das immense Ausma√ü psychischer Komorbidit√§t bei Patientinnen mit pathologischem Kaufverhalten”, so die Wissenschafter. In einer Therapiegruppe der √Ėsterreichischen Arbeiterkammer war fast die H√§lfte der von Kaufsucht betroffenen Personen auch vom so genannten ‘Messie-Syndrom’ betroffen. M√∂glicherweise ist also Kaufsucht keine eigenst√§ndige St√∂rung, sondern vielmehr ein Symptom des Verm√ľllungssyndroms.

“Ganz offensichtlich handelt es sich zumindest bei der hier untersuchten Stichprobe von kaufs√ľchtigen Patientinnen um ein psychisch sehr krankes Kollektiv, so dass diskutiert werden muss, ob pathologisches Kaufverhalten nicht besser als eine Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen verstanden werden sollte”, schreibt die Psychologin A. M√ľller im Fachblatt “PPmP – Psychotherapie Psychosomatik und Medizinische Psychologie”.

Kaufs√ľchtige sp√ľren regelm√§√üig einen unwiderstehlichen Impuls zum Erwerb unn√∂tiger Waren, die das finanzielle Budget weit √ľbersteigen. Die meisten untersuchten Betroffenen sind verschuldet (was gro√üz√ľgige √úberziehungskonditionen von Banken und Kreditkartenfirmen h√§ufig verschleiern), durchschnittlich mit rund 45.000 Euro. Studien deuten darauf hin, dass Kaufsucht nicht mit Medikamenten behandelbar ist, sondern eher mit Psychotherapie.
Kaufsucht zählt zu den nicht substanzbezogenen Abhängigkeitsformen. Subtil ist die Definition der Kaufsucht, da sie sonst leicht bagatellisiert werden kann. Folgende Kriterien weisen auf eine tatsächliche Sucht hin: Der Drang immer wieder zu kaufen, der Verlust der Selbstkontrolle, man kauft häufiger, immer mehr und immer teurere Dinge. Das Einkaufen wird zum Lebensmittelpunkt. Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unwohlsein, psychosomatische Erkrankungen, Selbstmordgedanken sind ebenfalls Hinweise auf eine ernsthafte Störung. Von Männern werden im Zuge von Kaufsucht besonders häufig Autos sowie elektronische Geräte erworben, von Frauen Kleidung, Schmuck und Dekorationsgegenstände.

(Quelle: APA 08/2009)

Weitere Artikel auf dieser Website:

Diskussionen im Online-Forum f√ľr Nicht substanzbezogene Abh√§ngigkeiten
Interview Messies – Das Verm√ľllungs-Syndrom
Das Messie-Syndrom – Alles in Unordnung?

Sep 28

“Binge Drinking” wird analog zum “Binge Eating” aus dem Bereich der Essst√∂rungen wie folgt definiert: f√ľnf oder mehr Drinks pro Anlass, mindestens einmal im vergangenen Monat.

Diese Form des Alkoholmi√übrauchs wird h√§ufig im Zusammenhang mit Teenagern und Studenten erw√§hnt, eine k√ľrzlich im American Journal for Psychiatry ver√∂ffentlichte Studie legt jedoch nahe, dass durchaus auch √§ltere Erwachsene Probleme damit haben. Aus einer ihr zugrundeliegenden Umfrage unter 11.000 Amerikanern ab 50 Jahren geht hervor, dass 23 Prozent der M√§nner und neun Prozent der Frauen solch verst√§rkten Alkoholkonsum aufwiesen. Auch bei den √ľber 65-J√§hrigen fanden sich 14 Prozent bei den M√§nnern und drei Prozent bei den Frauen.

Binge Drinking ist ein Risikofaktor f√ľr verschiedene gesundheitliche Folgeprobleme: Verletzungen, Gewalt, neurologische Sch√§den und Bluthochdruck. Indirekte Folgeprobleme sind Beziehungskrisen und Probleme im sozialen Umfeld. Die Forscher schreiben im American Journal of Psychiatry, dass Binge Drinking im fortgeschrittenen Alter noch einmal ein h√∂heres Risiko f√ľr die Gesundheit bedeutet als in jungen Jahren: so k√∂nnen sich chronische Krankheiten aufgrund des √ľberm√§√üigen Alkoholkonsums verschlechtern. Allerdings, so schreiben die Wissenschafter, hei√üe Binge Drinking meist nicht gleich Alkoholsucht, weswegen das Trinkverhalten von den Betroffenen auch oft nicht thematisiert und verdr√§ngt wird.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: M√§nner, die Binge Drinker waren, hatten u.a. auch ein h√∂heres Risiko f√ľr illegalen Drogengebrauch. Frauen hingegen wiesen ein h√∂heres Risiko f√ľr Medikamentenmissbrauch auf.

Weiterf√ľhrende Links:
Selbsttest auf Alkoholismus / Alkoholsucht auf dieser Website
Weitere Blog-Einträge zum Thema Alkoholismus
The Epidemiology of At-Risk and Binge Drinking Among Middle-Aged and Elderly Community Adults: National Survey on Drug Use and Health in: Am J Psychiatry Published August 17, 2009; doi: 10.1176/appi.ajp.2009.09010016

Sep 25

Einer von zehn Todesf√§llen in Europa ist auf Alkoholkonsum zur√ľckzuf√ľhren. Besonders dramatisch ist die Situation demnach in Russland, wo mehr als die H√§lfte der M√§nner zwischen 15 bis 54 Jahren wegen exzessiven Alkoholkonsums in noch relativ jungem Lebensalter sterben. Durch die Massenproduktion und globale Vermarktung aber werde weltweit immer mehr Alkohol getrunken, hei√üt es im Fachjournal “Lancet”, das k√ľrzlich mehrere Studien zu dem Thema ver√∂ffentlichte.

Alkohol habe global einen √§hnlichen Effekt wie das Rauchen, erl√§uterten Forscher vom Zentrum f√ľr Suchtforschung und Mentale Gesundheit im kanadischen Toronto im Fachjournal. Sie ber√ľcksichtigten f√ľr die Analyse nicht nur typische Krankheiten wie die Leberzirrhose, sondern etwa auch von Alkohol mitverursachte Krebsarten und Verkehrsunf√§lle.

Weltweit stirbt einer von 25 Menschen an direkten oder indirekten Folgen des Trinkens, haben Wissenschafter errechnet. Die im Vergleich zu Europa geringe Sterberate liege daran, dass in vielen außereuropäischen Ländern kein oder nur sehr wenig Alkohol getrunken werde. Mehr als die Hälfte der Menschen auf der Erde lebe derzeit abstinent, vor allem in muslimischen Ländern. In wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wie etwa Indien und China werde dagegen immer mehr getrunken, wodurch auch die damit verbundenen Probleme zunehmen.

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Selbsttest auf Alkoholismus / Alkoholsucht auf dieser Website
Weitere Blog-Einträge zum Thema Alkoholismus
Alcohol: A Global Health Priority in: The Lancet, Vol. 373, Issue 9682 (27 June 2009), Pages 2173-2174 (R. Beaglehole, R. Bonita)

22.03.20