Jan 05

Eine kleine Sammlung von Statistiken bez√ľglich der Versorgungslage, Finanzierung durch das Gesundheitssystem, Arzneimittel usw. in Deutschland, der Schweiz und √Ėsterreich, auf die ich im Laufe der Zeit stie√ü. Ich werde diese laufend erweitern bzw. aktualisieren.
Fallweise standen mir keine genauen Quellen zur Verf√ľgung – wenn jemand eigene Erg√§nzungen machen m√∂chte oder √ľber entsprechende Quellen verf√ľgt, diese bitte hier im Sinne der Allgemeinheit als Kommentar posten!

statBedarf an und Nutzung von Psychotherapie

  • in √Ėsterreich haben die registrierten Krankenstandsf√§lle aufgrund psychischer Erkrankung allein in den letzten 10 Jahren auf das 1,5-fache zugenommen, w√§hrend im selben Zeitraum die Krankenst√§nde allgemein gesunken sind. Im langj√§hrigen Vergleich nehmen auch Pensionierungen aufgrund von Invalidit√§t wegen psychischer Krankheiten stark zu (Quelle: HSV).
  • Zahl der √ĖsterreicherInnen in Psychotherapie: ca. 50.000.
    (diese Zahl betrifft allerdings nur jene, deren Therapie zumindest teilweise von den Krankenkassen mitfinanziert wird, die Zahl der Privatzahler ist unbekannt).
  • nach aktuellen epidemiologischen Studien leiden 25 % einer 25 ‚Äď 45‚Äďj√§hrigen Gro√üstadtbev√∂lkerung und rund 10 % der l√§ndlichen Bev√∂lkerung √ľber 15 Jahre an einer behandlungsbed√ľrftigen psychischen St√∂rung mit Krankheitswert gem√§√ü dem ICD-10.
  • Es wird jedoch davon ausgegangen, dass nur 35 % der Personen, die eine Psychotherapie brauchen, f√ľr eine solche auch motivierbar sind. Daraus abgeleitete Sch√§tzungen zum ‚Äětats√§chlichen‚Äú Psychotherapiebedarf gehen davon aus, dass 2,1 bis 5 % der Gesamtbev√∂lkerung psychotherapiebed√ľrftig und -willig sind (= 170.000 bis 400.000 Personen). Dieser Sch√§tzwert inkludiert allerdings dar√ľber hinaus auch nicht Personen mit vor√ľbergehenden, leichteren oder nicht diagnostizierten psychischen Beschwerden und ist daher als absolute Untergrenze anzusehen.
  • Psychische Erkrankungen werden oft falsch diagnostiziert, was ebenfalls hohe Kosten verursacht: ein Gro√üteil schwerer psychischer St√∂rungen wird w√§hrend durchschnittlich 7 Jahre lang als k√∂rperlich verursacht fehlbehandelt.
  • √úber 18% der Invalidit√§tspensionen resultieren aufgrund
    psychischer/psychiatrischer Leiden.
  • Im Jahr 2000 nahmen sich in √Ėsterreich 1.588 Personen das Leben, das entspricht 0,2% der Bev√∂lkerung und mehr Toten als bei Verkehrsunf√§llen.
  • Nach in Deutschland vorgenommenen epidemiologischen Untersuchungen im Bereich der Gerontopsychiatrie treten psychische Erkrankungen bei den √ľber 65-j√§hrigen mit einer Pr√§valenz von 25 – 30 % auf, davon senile Demenzen in der 7. Lebensdekade in einer H√§ufigkeit von 5 %, in der 8. Lebensdekade von 10 % und in der 9. Lebensdekade von 20 %. Die senile Demenz vom Alzheimer-Typ macht dabei mehr als 2/3 der F√§lle aus. Im Moment rechnet man im Bereich der alten Bundesl√§nder mit einer Zahl von 1 Millionen von dieser Krankheit betroffenen Menschen. Vaskul√§re oder Multi-Infarkt-Demenzen machen allein oder gemischt mit dem Erstgenannten etwa 1/4 der F√§lle aus.

    Depressionen im h√∂heren Lebensalter kommen nach verschiedenen Studien in unserem Kulturkreis in 10 – 20 % der Bev√∂lkerung vor. Beachtenswert ist auch die insgesamt gro√üe Diagnosegruppe der Neurosen und Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen (√ľber 10 % der Gesamtpr√§valenz), die den hohen Psychotherapiebedarf in dieser Altersgruppe untermauern. Bedeutsam ist die h√∂here Suizidrate bei Depressionen im h√∂heren Lebensalter im Vergleich zu den j√ľngeren und mittleren Jahren, hier insbesondere die h√∂here Suizidalit√§t √§lterer depressiver M√§nner. Hier kommen auf vier Suizidversuche ein gelungener Suizid (in j√ľngeren Jahren 20 : 1). Die Suizidrate der Bev√∂lkerung √ľber 65 Jahren ist doppelt so hoch wie die der j√ľngeren Erwachsenen.(Quelle: AMWF, 1995)

Schwierigkeiten in der Psychotherapie

  • einer Untersuchung des Berufsethischen Gremiums des √ĖBVP aus den Jahren 1994-1998 zufolge (Neubauer, 1999) nahm die Nutzung der Beschwerdestellen im Beobachtungszeitraum zu (knapp 300 F√§lle)
  • die √ľberwiegende Anzahl der Anfragen und Beschwerden konnte telefonisch gekl√§rt werden
  • in ca. 1/3 der F√§lle wurde ein pers√∂nliches Gespr√§ch gef√ľhrt
  • in 42 F√§llen (ca. 15%) wurde zur Schlichtung Mediation angewendet
  • in den meisten F√§llen war eine verbale oder schriftliche Kl√§rung m√∂glich. In einigen F√§llen wurde eine finanzielle Abgeltung geleistet.
  • eine einzige gerichtliche L√∂sung kam vor, in zwei F√§llen wurde der Gerichtsweg beschritten
  • die meisten Beschwerdef√ľhrer sind mittleren Alters (21-50 Jahre)
  • die h√§ufigsten Gr√ľnde f√ľr die Kontaktaufnahme mit der Beschwerdestelle waren: Aufkl√§rungsw√ľnsche, Allgemeine Anfragen, Anfragen zu Kosten von psychotherapeutischen Behandlungen
  • seltene Gr√ľnde f√ľr die Kontaktaufnahme waren: Ausbildungsangelegenheiten, sexueller und anderer Mi√übrauch (innerhalb der 5 untersuchten Jahre wurden insgesamt 28 F√§lle von sexuellen √úbergriffen in Beschwerdestellen behandelt) 2

Finanzierung von Psychotherapie

  • etwa die H√§lfte der Psychotherapie-PatientInnen macht diese voll finanziert auf Krankenschein, die andere H√§lfte bezuschusst (21,80 Euro pro Sitzung). Die Zahl der Privatzahler ist unbekannt.
  • Lediglich 30 % der Aufwendungen der Krankenkassen f√ľr Psychotherapie betreffen die sog. “Kassenpl√§tze”. Der Gro√üteil der PatientInnen muss selbst die Differenz zwischen dem von den Krankenkassen gew√§hrten Zuschuss ‚Äď sofern dieser bewilligt wurde ‚Äď und dem Honorar der PsychotherapeutInnen begleichen.
  • derzeit verhandelt der √ĖBVP (√Ėsterr. Bundesverband f√ľr Psychotherapie) mit dem Hauptverband der Sozialversicherungen √ľber einen Gesamtvertrag f√ľr Psychotherapie, das sog. “Best-Practice-Modell”. Er k√∂nnte die H√§lfte jener Menschen, die Psychotherapie brauchen, in Behandlung bringen – entweder auf Krankenschein oder per Zuschuss von 41 Euro pro Stunde. Die Kosten davon w√ľrden ca. 40 Millionen Euro pro Jahr betragen, also etwa 0,5% der gesamten Gesundheitsausgaben in √Ėsterreich (Quelle: Interview mit √ĖBVP-Pr√§sidentin Eva M√ľckstein am 23.11.08 im Standard).
  • Bei allgemein steigenden Kosten f√ľr
    Medikamente rangieren Psychopharmaka bereits auf Platz drei, w√§hrend die Ausgaben f√ľr Psychotherapie, aber auch die Kostenzusch√ľsse f√ľr KlientInnen seit 1998 unver√§ndert geblieben sind.

Wirksamkeit von Psychotherapie

  • Im Jahr 2001 wurde eine Metaanalyse zu allen bis 1995 vorliegenden Kosten-Nutzen-Studien auf dem Gebiet der Psychotherapie durchgef√ľhrt. Die Studien zeigen, dass Psychotherapie im Vergleich zu routinem√§√üig eingesetzten medizinischen Behandlungsma√ünahmen nicht nur wirksamer, sondern auch kosteng√ľnstiger ist. Die zu erzielenden medizinischen und volkswirtschaftlichen Einsparungen √ľbersteigen die Kosten f√ľr einen vermehrten Einsatz von Psychotherapie bei weitem. Im Jahr nach Psychotherapiebeginn reduzierte sich die Nutzung medizinischer Dienste im Vergleich zum Vorjahr hochsignifikant:
    • Abnahme der Kliniktage pro PatientIn im Durchschnitt 5,6 Tage oder 54 %
    • Abnahme von ambulanten Arztkontakten pro PatientIn im Durchschnitt 4,2 Kontakte oder 26%
    • Reduktion von Arbeitsunf√§higkeitstagen je nach St√∂rungsbild und
    • Behandlungsprogramm zwischen 26 bis 100 %.
    • Signifikante Abnahme der Kosten f√ľr Psychopharmaka 34 Wochen nach Therapiebeginn.

    Das Kostenverhältnis beträgt 1 : 1,7 zugunsten der Psychotherapie.
    Psychotherapie auf Krankenschein kann insofern als ein Projekt der Nachhaltigkeit betrachtet werden.

  • Sowohl der Medikamentenkonsum als auch die H√§ufigkeit von Arztbesuchen nehmen nicht immer schon w√§hrend, aber drei Jahre nach dem Beginn einer Psychotherapie ab. Das ergab eine Studie der Nieder√∂sterreichischen Gebietskrankenkassa im Jahre 2006.

* die genaue Quelle ist unbekannt. Bitte um Feedback (√ľber Kommentar unten oder das Kontaktformular meiner Website), falls Ihnen Details oder sogar exakte Quellenangaben daf√ľr bekannt sind!
2 Quelle: Hutterer-Krisch, “Grundriss Der Psychotherapieethik“, 2007 (Springer-Verlag)
Beitrag aktualisiert: 31.01.2009

22.03.20