May 13

Eine Kombination von zwei Antidepressiva resultiert in keiner Beschleunigung der Genesung.

Dies ist das Ergebnis der CO-MED-Studie, fĂŒr die Wissenschafter an 15 medizinischen Zentren in den USA insgesamt 665 Patienten zwischen 18 und 75 Jahren untersucht haben.
„Ärzte sollten Patienten mit Major Depression nicht vorschnell Kombinationen aus antidepressiven Medikamenten als Erstlinientherapie verschreiben“, so Dr. Madhukar H. Trivedi, Psychiatrieprofessor am UT Southwestern Medical Center. „Die medizinischen Implikationen sind eindeutig – die zusĂ€tzlichen Kosten und die Belastung durch zwei Medikamente sind es bei einem ersten Behandlungsschritt nicht wert.“

Die Wissenschafter bildeten drei Behandlungsgruppen: Escitalopram plus Placebo, Escitalopram plus Buprobion und Venlafaxin plus Mirtazapin. Die Studie lief von MĂ€rz 2008 bis Februar 2009.
Nach zwölf Behandlungswochen waren die Remissions- und Responseraten in den drei Gruppen gleich – bei circa 39 Prozent kam es zur Remission und bei circa 52 Prozent zu einer Response.

Nach sieben Behandlungsmonaten waren die Remissions- und Responseraten in den drei Gruppen immer noch gleich, allerdings zeigten sich in der dritten Gruppe (Venlafaxin plus Mirtazapin) mehr Nebenwirkungen.

(Quellen: Medical Net News, May 2011, MedAustria, neuro-online)

Nov 01

In den letzten 30 Jahren gab es einen RĂŒckgang der Zahl der Suizide in Deutschland von 18.000 auf ca. 9.400, mit dem stĂ€rksten RĂŒckgang in den neuen BundeslĂ€ndern nach der Wiedervereinigung.

Einer der wichtigsten GrĂŒnde fĂŒr diesen sensationellen RĂŒckgang dĂŒrfte die bessere Versorgung depressiv Erkrankter sowie eine bessere FrĂŒherkennung des Krankheitsbildes sein. Aber trotz dieser Fortschritte werden auch heute nur weniger als 10% der ca. 4 Millionen depressiv Erkrankten in Deutschland optimal behandelt, schĂ€tzen Experten. „Dies ist ein nicht tolerierbarer Zustand, da Depressionen schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankungen sind und wirksame Behandlungen (..) zur VerfĂŒgung stehen“, sagte Prof. Dr. U. Hegerl, Direktor Klinik und Poliklinik fĂŒr Psychiatrie der UniversitĂ€t Leipzig, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Sprecher der Deutschen BĂŒndnisse gegen Depression in einem Interview in Berlin.

Zu den GrĂŒnden fĂŒr die schwierige zeitgerechte Diagnose und Therapie zĂ€hlen unter anderem auch die Depressionssymptome selbst wie Hoffnungslosigkeit, SchuldgefĂŒhle und Erschöpfung, die es den Betroffenen erschweren, sich professionelle Hilfe zu holen und empfohlene Behandlungen konsequent mitzugehen. Außerdem wissen hĂ€ufig weder die Betroffenen selbst noch die Ärzte (!) nicht um die adĂ€quaten Behandlungsmöglichkeiten. Mit Psychotherapie und dem Einsatz von Antidepressiva kann bei ĂŒber 90 Prozent der Betroffenen die Depression zum Abklingen gebracht oder ihnen zumindest deutlich geholfen werden. Immer noch glauben 80 Prozent der Bevölkerung, dass Antidepressiva sĂŒchtig machen oder die Persönlichkeit verĂ€ndern. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Psychotherapeutische Behandlungsangebote gehören heute zum Standard der therapeutischen Arbeit mit depressiv kranken Menschen.

In die neue, Ende 2009 verabschiedete deutsche  S3/NV-Leitlinie fĂŒr die Behandlung der unipolaren Depression ging Psychotherapie umfĂ€nglich ein. „Erstmals wurde damit auch fĂŒr schwer und schwerst depressiv Kranke Psychotherapie, in Kombination mit Medikation, als Standard benannt“, sagte Prof. Dr. Manfred Wolfersdorf, Sprecher Arbeitskreis Depressionsstationen D/CH und Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, anlĂ€sslich des 7. EuropĂ€ischen Depressionstages im Oktober 2010. Depressive Störungen gehören zu den hĂ€ufigsten BeratungsanlĂ€ssen und Erkrankungen in der Versorgung. FĂŒr Patienten besteht vor allem hinsichtlich einer abgestuften und vernetzten Versorgung zwischen haus-, fachĂ€rztlicher und psychotherapeutischer Behandlung und bei der Indikation fĂŒr ambulante oder stationĂ€re Behandlungsmaßnahmen Optimierungsbedarf. Mit der neuen Leitlinie kommt man dieser Optimierung nĂ€her.

Ziele der Leitlinie sind unter anderem, Depression besser zu erkennen und Diagnostik und Behandlung von Depressionen in Deutschland zu optimieren. Ebenso sollen spezifische Empfehlungen zur Abstimmung und Koordination der Versorgung aller beteiligten Fachdisziplinen gegeben werden. Die Leitlinie gibt dabei keine Richtlinien vor, sondern Empfehlungen, wie zum Beispiel nach aktuellem Wissenschaftsstand und nach den Kriterien der Evidenzbasierten Medizin am sinnvollsten vorzugehen ist. „In der Praxis gibt die Leitlinie Anhaltspunkte, wie die Hauptsymptomatiken von Depressionen und die Begleitsymptome leichter erkennbar werden,“ sagte Prof. Manfred Wolfersdorf.

Ebenso sei ein Screening zur FrĂŒherkennung von Depressionen in der Leitlinie beinhaltet. Hiermit kann man zum Beispiel bei Patienten, die einer Hochrisikogruppe angehören (z.B. aufgrund frĂŒherer depressiver Störungen oder komorbider somatischer Erkrankungen) Maßnahmen zur FrĂŒherkennung von Depressionen bereits bei Kontakten in der Hausarztversorgung und in AllgemeinkrankenhĂ€usern einsetzen. FĂŒr ein Screening geeignete Instrumente sind der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden, der Gesundheitsfragebogen fĂŒr Patienten (PHQ-D) sowie die Allgemeine Depressionsskala (ADS). Eine weitere Möglichkeit der schnellen Erfassung einer möglichen depressiven Störung ist der so genannte „Zwei-Fragen-Test“:

1. FĂŒhlten Sie sich im letzten Monat hĂ€ufig niedergeschlagen, traurig bedrĂŒckt oder hoffnungslos?
2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Werden beide Fragen mit „Ja“ beantwortet, ist die klinische Erfassung der formalen Diagnosekriterien erforderlich, da nur durch die explizite Erhebung aller relevanten Haupt- und Nebensymptome eine adĂ€quate Diagnosestellung nach ICD-10 möglich ist. Dies geschieht in aller Regel ĂŒber eine fundierte Exploration.

(Quellen: MedAustria; Hegerl et.al., “Sustainable effects on suicidality were found for the Nuremberg alliance against depression” in: European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience Vol 260, Nr 5, 401-406, DOI: 10.1007/s00406-009-0088-z)

Interessiert Sie dieses Thema? Dann ist fĂŒr Sie vielleicht auch mein umfangreicherer Artikel zur Behandlung der Depression interessant.
Einen Screening-Selbsttest auf Depression finden Sie ebenfalls auf dieser Website (Link klicken).

Oct 19

59 Prozent aller Medikamente gegen psychische Störungen werden in den USA von praktischen Ärzten – also nicht von Psychiatern – verschrieben. Nach einer kĂŒrzlich im Fachjournal “Psychiatric Services” veröffentlichten Studie, im Zuge derer 472 Millionen Rezepte, die in den USA zwischen August 2006 und Juli 2007 ausgestellt worden waren, untersucht wurden, verschrieben praktische Ärzte den Hauptteil aller Medikamente: 62 Prozent aller Antidepressiva und 52 Prozent aller Stimulanzien (welche hauptsĂ€chlich bei ADHS verschrieben werden). Zur Behandlung von Psychosen wurden 37 Prozent verschrieben, 22 Prozent gegen ZwĂ€nge und Wahnvorstellungen.

Mindestens 27 Millionen Amerikaner nehmen Antidepressiva ein, und einige Millionen (die genaue Zahl ist unbekannt) Medikamente gegen ADHS. Die Hauptsorge der Wissenschafter ist, ob die Patienten bei Allgemeinmedizinern damit auch eine adÀquate Behandlung bekommen. Die chemischen Substanzen der Medikamente beeinflussen das Gehirn und können erhebliche Nebenwirkungen haben, andererseits kann eine nicht-behandelte Depression suizid-gefÀhrdend sein.

(Quelle: Reuters, 10/2009)

22.03.20