Psychology, Psychotherapy and Counseling News

Brief summaries of the latest news related to mental health and mental illness, as well as brief abstracts of the latest research related to psychotherapy, counseling, psychology and medicine

UPDATE: Please visit the Psychotherapy Blog for latest psychotherapy related news.
It also contains an English section.

News ab sofort im Blog

Liebe BesucherInnen meiner Website,

bisher fanden Sie den Pressespiegel und Psychotherapie-bezogene Neuigkeiten aus der Forschung hier, zukünftig werde ich sie in meinem PT-Blog (Rubrik “Pressespiegel”) veröffentlichen.

Für Sie hat dies den Vorteil, daß Sie die News nicht nur als RSS-Feed abonnieren, sondern die einzelnen Artikel auch kommentieren können (Links über und unter jedem Artikel).

Freundliche Grüße,
Richard L. Fellner

Quelle:

Schlankheitspille vom Markt genommen

Nach Forderungen der USA und der Europäischen Union hat der französische Arzneimittelhersteller Sanofi-Aventis die Schlankheitspille Acomplia nun europaweit vom Markt genommen. Unter Hinweis auf jüngste Studien zu psychischen Störungen als Nebenwirkung der Pille hatte die Europäische Gesundheitsbehörde die Risiken größer als die Vorteile eingestuft.
In Großbritannien gab es offiziellen Angaben zufolge fünf Todesfälle im Zusammenhang mit der Pille. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Medikament mit der Begründung abgelehnt, es könne Depressionen und Selbstmordgedanken auslösen. Laut dem deutschen Bundesarzneimittelinstitut in Bonn habe es in europaweit sogar mehrere Suizidversuche und Suizide gegeben. In Europa ist der Schlankmacher seit 2006 zugelassen. Analysten zufolge haben bereits 700.000 Menschen Acomplia eingenommen.

Quelle: Der Standard, 24.10.2008

Die Therapie psychischer Störungen braucht Zeit

Langzeittherapie, die über mindestens ein Jahr oder über mindestens 50 Sitzungen durchgeführt wird, ist bei Patienten mit komplexen psychischen Störungen, wie zum Beispiel Persönlichkeitsstörungen oder chronifizierten Störungen, nicht nur wirksam, sondern kürzeren Therapie signifikant überlegen. Dies geht aus einer in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "JAMA" (Journal of the American Medical Association) veröffentlichten Meta-Analyse von Prof. Dr. F. Leichsenring, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Gießen, und Dr. S. Rabung, Institut für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, hervor.
Dosis-Wirkungs-Untersuchungen haben gezeigt, dass Kurzzeittherapie bei einem beträchtlichen Anteil von Patienten mit chronifizierten psychischen Störungen oder Persönlichkeitsstörungen unzureichend ist. Untersucht wurden mindestens 1 Jahr oder 50 Sitzungen dauernde Formen von Psychotherapien, in denen auch die Beziehung zwischen Therapeuten und Patienten thematisiert wurde. Komplexe Störungen wurden definiert als chronifizierte psychische Störungen (definiert über eine Krankheitsdauer von über einem Jahr), multiple psychische Störungen (gleichzeitiges Vorliegen mehrerer psychiatrischer Diagnosen) oder als Persönlichkeitsstörungen. 23 hochwertige Studien wurden in die Meta-Analyse einbezogen (elf randomisiert-kontrollierte Studien und zwölf Beobachtungsstudien), welche insgesamt 1.053 Patienten, die psychotherapeutisch behandelt wurden, einschlossen. Nach den Ergebnissen von Leichsenring & Rabung war dies den kürzeren Formen der Psychotherapie im direkten Vergleich signifikant überlegen, und zwar in Bezug auf die generelle Wirksamkeit, für die Zielprobleme der Patienten sowie für Persönlichkeitsveränderungen. Große und dauerhafte Effekte wurden bei der Behandlung von Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, multiplen psychischen Störungen und chronifizierten psychischen Störungen erzielt, ebenso bei komplexen depressiven Störungen und Angststörungen. Die erzielten Effekte nahmen nach dem Ende der Therapie bis zur Follow-Up-Untersuchung sogar noch signifikant zu.

Quelle: MedAustria, 13.10.08

Welttag der psychischen Gesundheit / World Mental Health Day am 10.10.

"Psychische Gesundheit und bedürfnisgerechte Hilfen im Falle psychischer Erkrankungen sind zentrale Anliegen der Wiener Gesundheitspolitik. Je früher und rascher die Hilfe bei psychischen Erkrankungen einsetzt, umso besser die Heilungschance. Vorurteile sind nicht gerechtfertigt und dürfen nicht von einer fachkompetenten Hilfe, die immer möglich ist, abhalten", so die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag. Renate Brauner anlässlich des Welttages der psychischen Gesundheit. Psychiatrische Krankheiten seien ebenso gut behandelbar wie andere medizinische Erkrankungen. "Psychische Probleme sind kein Schicksal, mit dem man sich abfinden muss."
Rund zwei Millionen Krankenstandtage pro Jahr sind österreichweit auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Hauptsächlich verantwortlich dafür seien die mangelnde Prävention im Bereich der psychischen Gesundheit und die fehlende Bereitschaft, eine Therapie, aus Angst vor Stigmatisierung, in Anspruch zu nehmen, erklärte Univ.-Prof. Ullrich Meise, Leiter des "Tiroler Bündnisses gegen Depression".

Quelle: APA, 2008-10-08

Studie: Antidepressivum Paroxetin (Seroxat) schädigt Samenzellen

Das verbreitete Antidepressivum Paroxetin (im Handel als Seroxat bzw. Paxil) könnte die Zeugungsfähigkeit von Männern beeinträchtigen. Einer US-Studie zufolge führt es zu Schäden an der DNA der Spermien, wodurch keine oder nicht entwicklungsfähige Embryonen entstehen. Im Durchschnitt sei der Anteil von Spermien mit DNA-Schäden von 13,8 Prozent vor der Einnahme von Paroxetin innerhalb von nur vier Wochen auf 30,8 Prozent geschnellt, so die Mediziner. Bis zu einer genauen Abklärung der beobachteten Phänomene warnen allerdings auch die Forscher Patienten vor Schnellschüssen: Depressionen seien eine schwerwiegende Erkrankung, die teilweise auch mit einem erhöhten Selbstmordrisiko einhergeht. Vom eigenständigen Absetzen der Medikamente sei deshalb dringend abzuraten, Entscheidungen müssten von Fall zu Fall vom zuständigen Arzt getroffen werden.

Quelle: New Scientist, 2008-09-28, Nr. 2675, S.11

Höhere Depressions-Prävalenz bei entzündlichen Darmerkrankungen

Laut Resultaten einer kanadischen Studie leiden Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen häufiger an Depressionen und einigen Angsterkrankungen. Dr. Charles N. Bernstein von der University of Manitoba in Winnipeg und Kollegen erhoben im Rahmen der Manitoba IBD Cohort Study die Raten an Angst- und Gemütserkrankungen bei 351 Patienten mit eindeutig diagnostizierter entzündlicher Darmerkrankung, und verglichen sie mit 779 ähnlichen Personen in der gleichen Region und mit der Allgemeinbevölkerung in den Vereinigten Staaten und Neuseeland. Im Vergleich mit der Allgemeinbevölkerung hätten Patienten mit entzündlicher Darmerkrankung häufiger an generalisierten Angststörungen, Zwangserkrankungen und schweren Depressionen gelitten, berichten die Wissenschaftler im American Journal of Gastroenterology. Auf der anderen Seite hätten Patienten mit entzündlicher Darmerkrankung seltener soziale Angststörungen oder bipolare Störungen gehabt als die Allgemeinbevölkerung. Verglichen mit Personen aus derselben Region wiesen Patienten mit entzündlicher Darmerkrankung die gleichen Raten an Angststörungen auf, doch sie waren fast doppelt so häufig an schweren Depressionen erkrankt. "Bei fast einem Drittel derjenigen mit Angststörung oder Gemütserkrankung war die psychische Erkrankung etwa zum Zeitpunkt der Diagnose der Darmerkrankung zum ersten Mal aufgetreten", so Bernstein.

Quelle: MedScape, ReutersHealth, September 2008

Antidepressive Therapie verbessert Prognose und Lebensqualität nach akutem Koronarsyndrom

Herzpatienten, die sich von einer Herzinfarkt-Vorstufe ("akutes Koronarsyndrom") erholen, zeigten nach 6 Monaten eine signifikante Besserung der Depression und seltenere erneute Krankenhaus-Aufnahmen. Das zeigt die Auswertung einer Meta-Analyse von insgesamt 3454 Patienten umfassenden 8 Studien, die von Dr. M.Mazza (Institut für Psychiatrie und Psychologie, Katholische Universität vom Heiligen Herz, Rom, Italien) auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München vorgestellt wurde. Depressionen bei Herz-Patienten sind assoziiert mit psychologischer, funktioneller und körperlicher Beeinträchtigung, ihre wirksame Behandlung verbessert die Lebenserwartung, die Lebensqualität und den Gesamtzustand Betroffener. Aktuelle Daten zeigen dass Depressionen ein wichtiger unabhängiger Risikofaktor für Patienten mit Herzkrankheiten sind und in einem Zusammenhang mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko stehen. Bis zu 23 Prozent der Patienten mit Koronarer Herzkrankheit leiden auch unter Depressionen. Herzinfarkt-Patienten mit Depressionen haben ein erhöhtes Sterblichkeits-Risiko. Eine ebenfalls auf dem ESC-Kongress vorgestellte italienische Studie (Dr. Alejandro Macchia, Consorzio Mario Negri Sud) zeigt einmal mehr, dass Menschen mit Depressionen eine deutlich schlechtere kardiovaskuläre Prognose haben: Depressive Personen zwischen 30 und 50 Jahren hatten in dieser Untersuchung ein um 212% erhöhtes Risiko, Menschen zwischen 50 und 60 Jahren ein um 50% erhöhtes Risiko, und über 60jährige ein um 39% erhöhtes Risiko.

Quelle: MedAustria, 09/2008

Umsatz mit Psychopharmaka weiterhin steigend

Die Analysten von IMS Health haben die Top 10 der weltweit umsatzstärksten Medikamente veröffentlicht. Die Tabelle gibt einen guten Einblick in die Krankenstand der Weltgesellschaft. Weltweit als auch in Deutschland ist der Umsatz der Arzneimittel gegen psychische Krankheiten und Beschwerden weiterhin hoch. Antipsychotika (Neuroleptika) und Antidepressiva kommen zusammen auf einen Marktanteil von über sechs Prozent und stehen damit gleich hinter den Krebspräparaten auf Platz zwei. In Deutschland standen 2006 beispielsweise die beiden Neuroleptika-Wirkstoffe Olanzapin und Risperidon auf Platz 2 und 3 der umsatzstärksten Arzneimittel. Mit dem Arzneimittel Seroqel etwa wurden im Jahre 2006 126 Millionen Euro umgesetzt, gegenüber 2005 war das eine Erhöhung um satte 40,8 Prozent. Der Arzneimittelreport konstatierte schon 2007 trocken: "Neuerdings versuchen die Hersteller atypischer Neuroleptika konsequent im Markt der Langzeitmedikation bipolarer, also affektiver Psychosen Fuß zu fassen." Es darf vermutet werden, dass die Umsätze für Seroquel in den letzten drei Jahren noch einmal kräftig angestiegen sind.

Quelle: IMS Health Deutschland, 06/2008, tp News

Selbsteinschätzung der Intelligenz

Je geringer die intellektuellen Fähigkeiten eines Menschen sind, desto höher schätzt er sie ein. Dieser alte Verdacht wird laut 'Perso­nality and Social Psychology' von D.Dunning bestätigt, einem Psychologen der Cornell-University. Ihm war aufgefallen, dass just jene Stu­denten, die in Prüfungen am schlechtesten abschnitten, am sichersten waren, dass nicht sie falsch geantwortet hatten, sondern dass die geforderten -und objektiv richtigen - Ant­worten falsch waren. Zudem wusste Dunning zumindest aus seinem Be­kanntenkreis, dass humorlose Menschen schlechte Witze er­zählen. Beides prüfte er sys­tematisch an seinen Studen­ten und fand eine direkte Korrelation zwischen Inkompe­tenz und Ignoranz, der Unfä­higkeit, die eigene Inkompe­tenz wahrzunehmen. Das gilt auch am anderen Ende der Skala: Menschen mit hohen intellektuellen Fähigkeiten werden von Selbstzweifeln geplagt, bis hin zur philoso­phischen Weisheit, dass sie wissen, nichts zu wissen.

Quelle: Perso­nality and Social Psychology, 01/2008

Cannabis-Konsum erhöht Risiko für psychische Störungen signifikant

Aktuelle Gesundheitsdaten aus Schottland sowie eine kürzlich veröffentlichte australische Studie lassen den Schluss zu, dass ein Langzeitkonsum von Cannabis deutlich das Risiko erhöht, an einer Psychose wie Schizophrenie oder an Depressionen zu erkranken.
Gemäß der australischen Studie, durchgeführt unter M.Cohen am Hunter New England Mental Health Service, ist das Risiko von Cannabis-Konsumenten, während ihrer Lebenszeit an einer psychotischen Episode zu erkranken, gegenüber Nichtkonsumenten um 40% erhöht. Bei Dauerkonsumenten ist das Risiko gar um knapp 200% erhöht, also doppelt so hoch. Bemerkenswerterweise kam eine deutsche Studie bereits aus dem Jahr 2000 (Hambrecht M. et.al.) zu annähernd dem gleichen Ergebnis. Gleichzeitig erleiden die Bemühungen von englischen Interessensgruppen, Cannabis einen geringeren Drogenstatus zu verleihen, einen Rückschlag durch neue Studien, die damit rechnen, dass am Ende dieser Dekade in Schottland bereits jede 4. Neuerkrankung an einer Schizophrenie direkt oder indirekt durch Cannabis ausgelöst sein dürfte.
Schon jetzt besteht in vielen Industrieländern ein zunehmender Bedarf an Pflegeplätzen und in psychiatrischen Wohnheimen, da durch die aufgrund von Drogensubstitutionsprogrammen und generell besserer Gesundheitsversorgung sinkende Sterblichkeitsrate von Drogenabhängigen die Anzahl der Personen, die nach einigen Jahren bis Jahrzehnten des Drogenmißbrauchs psychiatrisch auffällig oder pflegebedürftig werden, deutlich ansteigt.

Quelle: Australian and New Zealand Journal of Psychiatry, 2008

Höheres Alzheimer-Risiko nach Depressionen

Menschen, die an Depressionen gelitten haben, könnten anfälliger für eine Alzheimer-Erkrankung sein. Zu diesem Ergebnis sind eine holländische und eine amerikanische Studie gekommen. Wissenschaftler des Erasmus University Medical Center wiesen nach, dass Alzheimer bei Menschen mit früheren Depressionen 2,5 Mal wahrscheinlicher ist. Die Wahrscheinlichkeit ist sogar vier Mal so hoch, wenn die Depressionen vor dem 60. Lebensjahr auftreten. Details der Studien wurden in „Neurology“ den und „Archives of General Psychiatry“ veröffentlicht.
Die Wissenschaftler betonen, dass weitere Forschungsprojekte notwendig seien, um den Zusammenhang zwischen Depressionen und Alzheimer vollständig zu verstehen. Eine Theorie geht laut BBC davon aus, dass Depressionen zum Verlust von Zellen in zwei Bereichen des Gehirns führen und zwar im Hippokampus und der Amygdala.

Quelle: MedAustria, 04/2008

Teure Placebos wirken besser als billige

Nach einer Studie von Wissenschaftlern der Duke University und des MIT sind Placebos wirkungsvoller, wenn sie teurer sind. Menschen gehen offenbar davon aus, dass das, was teuer ist, auch gut sein muss, während das, was man billig haben kann, nichts wert ist.
82 Versuchspersonen erhielten vor und nach der Einnahme einer Placebo-Pille einen leichten Elektroschock an der Hüfte, um zu erfassen, welchen Schmerz sie subjektiv empfinden. Der Hälfte der Versuchspersonen war eine Broschüre gegeben worden, in der die Tablette als neu entwickeltes Medikament gegen Schmerzen beschrieben wurde, die pro Stück 2,50 US-Dollar kostet. Die Kontrollgruppe erhielt eine Broschüre, in der berichtet wurde, dass der Preis der Tabletten auf 10 Cents pro Stück gesenkt wurde, ohne einen Grund dafür zu nennen. Während in der Gruppe mit dem teuren Placebo 85 Prozent der Versuchspersonen berichteten, weniger Schmerz zu empfinden, waren es in der Kontrollgruppe "nur" 61 Prozent. Die Versuchspersonen haben sich also zweimal täuschen lassen bzw. sich doppelt selbst getäuscht und demonstriert, wie gut Rituale wirken.

Quelle: telepolis, 20080304

Krebs-Patienten brauchen psychosoziale Begleitung

Krebs-PatientInnen brauchen nicht nur die bestmögliche medizinische Therapie, sondern auch seelische und soziale Begleitung", erklärte Professor Dr. Peter Herschbach auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin, Februar 2008. "Alle Lebensziele, Inhalte und Werte werden in Frage gestellt, was eine enorme Belastung für die Psyche darstellt, der Bedarf an psychoonkologischer Beratung ist in Deutschland jedoch bei weitem nicht gedeckt", so Herschbach. Kürzlich begonnene Projekte der Deutschen Krebshilfe befassen sich mit der Wirksamkeit einer Kurzzeit-Psychotherapie bei depressiven Brustkrebs-Patientinnen sowie der Effektivität eines Übungsprogrammes zur Behandlung chronischer Müdigkeit bei Betroffenen mit einem Mammakarzinom. Außerdem werden ärztliche Trainingsmaßnahmen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) bei Brust- und Darmkrebs-Patienten entwickelt. Die Wissenschaftler nehmen an, dass damit die Entscheidungskonflikte der Betroffenen verringert und gleichzeitig die Zufriedenheit mit der Therapie-Wahl erhöht werden können.

Quelle: MedAustria, 03/2008

Sind SSRI's (Antidepressiva der 3. Generation) nur Placebos?

Eine vor kurzem abgeschlossene Metastudie einer internationalen Forschungsgruppe über Wirksamkeitsstudien kam zu dem Schluss, dass SSRI's bedeutend weniger effizient wirken als bisher angenommen.
Das amerikanische, britische und amerikanische Wissenschaftlerteam verwendete zu seiner Studie Daten aus den klinischen Versuchen zur Zulassung der Wirkstoffe Fluoxetin (Prozac), Venlafaxin (Trevilor), Nefazodonbei (Nefadar, bereits wieder vom Markt genommen) und Paroxetin (Seroxat) bei der US-Behörde FDA ausgewertet. An die unveröffentlichten Daten kamen sie nach der Eingabe von Gesuchen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA). Mit meta-analytischen Techniken wurde dann untersucht, welche Erfolge die Medikamente erzielten.
Daraus ergab sich, dass die Wirkung dieser neuen, dritten Generation der Antidepressiva "unter den für klinische Bedeutung empfohlenen Maßstäben" lagen. Bei schwachen Depressionen habe es praktisch keine Unterschiede zur Verabreichung von Placebos gegeben, bei Patienten mit schweren Depressionen nur einen "kleinen klinischen unbedeutsamen" Unterschied. Nur bei schwersten Depressiven ergab sich zwischen Placebos und den SSRIs ein klinisch signifikanter Unterscheid. Diese Wirksamkeit wird aber von den Wissenschaftlern gleich wieder gedämpft, da sie vor allem darauf zurückzuführen sei, dass Menschen mit schweren Depressionen kaum auf Placebos ansprechen, weswegen die Wirkung nicht durch die Antidepressiva verursacht werde.

Quelle: PLoS Medicine Journal, tp Online-Magazin, 02/2008

Schadet Viagra der Fruchtbarkeit?

Viagra, das Potenzmittel für Männer, könnte sich auf die Fähigkeit, Kinder zu zeugen, negativ auswirken, warnen Wissenschaftler. Nach Untersuchungen des Gynäkologen David Glenn von der Queen's University Belfast scheint Viagra Spermien schaden zu können. In einem Experiment wurden die Kopfkappen (Akrosomen) von Spermien, die mit Viagra-Lösung in Kontakt gekommen waren, beschädigt und brach zu früh auf, weswegen sie eine Eizelle nicht befruchten könnten. Mäuse, denen Viagra gegeben wurde, produzierten 50 Prozent weniger Spermien. In einem anderen Experiment konnten Spermien von männlichen Mäusen, welche eine einzelne Dosis Viagra erhalten hatten, bei der Begattung im Unterschied zu ungedopten Männchen nur 33 Prozent der Eizellen befruchten. Es entstanden 40 Prozent weniger Embryos, die auch langsamer zu wachsen schienen.
Da Viagra auch im Rahmen der künstlichen Befruchtung gerne genommen und von den Kliniken gegeben wird, warnt Glenn insbesondere davor, dass dies die Unfruchtbarkeit der Männer noch weiter verstärken könnte.

Quelle: Queen's University Belfast, tp Online-Magazin, 02/2008

Männer nutzen zunehmend Schönheitschirurgie

2007 wurden in England 17,5 Prozent mehr Schönheitsoperationen an Männern als 2006 ausgeführt. Wichtig scheint vor allem zu werden, den dicken Bauch wieder zu los zu werden, nachdem Übergewicht mehr und mehr zu einem Stigma wird. Bauchstraffungen bei Männern nahmen um 61 Prozent zu, Brustverkleinerungen um 27 Prozent, Fettabsaugen um 18 Prozent. Zudem wurden über 30 Prozent mehr Veränderungen an der Nase vorgenommen. Bei Frauen stehen hingegen Brustvergrößerungen an erster Stelle. Und weil das Gesicht als erstes und immer zu sehen ist, stiegen bei Männern und Frauen die Facelifts um 36 Prozent an. Anti-Ageing-Eingriffe wie Beseitigung der Schlupflider oder Anheben der Augenbrauen sind um 13 bzw. 11 Prozent angestiegen.
Der Markt für Schönheitseingriffe, einschließlich Botox-Behandlungen, soll in Großbritannien bereits einen Umsatz von mehr als 1,3 Milliarden Euro im Jahre erzielen. Der Verband meldet denn auch erfreut, dass die Öffentlichkeit die Schönheitschirurgie "vor allem im Anti-Ageing-Bereich zunehmend akzeptiere".

Quelle: British Association of Aesthetic Plastic Surgeons

Auswirkung von Depres­sionen der Mutter auf den Nachwuchs

Der Nachwuchs depressiver Frauen ist anfälliger für Verhaltensprobleme und für Verletzungen. Doppelt so oft haben diese Kinder eine behandlungsbedürftige Verletzung als jene von Frauen ohne Depressionsneigung, zeigt eine in der Zeitschrift "Injury Prevention" kürzlich veröffentlichte US-Studie. Die betr. Kinder sind häufiger verhaltensauffällig sind, was sich unabhängig vom Bildungsstatus der Mutter und vom Haushaltseinkommen zeigte und bei Buben stärker ausgeprägt war als bei Mädchen.
Die Daten stammen von mehr als 1.100 Müttern und deren Kindern. Die Forscher vermuten, dass eine Depression der Mutter das Verhalten eines Kindes beeinflusst und dadurch das Verletzungsrisiko erhöht. Auch möglich: Eine Depression der Mutter könnte deren Fähigkeit beeinträchtigen, auf das Kind aufzupassen oder Gefahrenquellen im Haushalt zu entschärfen.

Quelle: Abstract in "Injury Prevention", APA

Nach dem Potenzmittel kommt die Abstinenz

Ein Drittel aller Männer mit Potenzproblemen verzichtet laut einer Umfrage ganz auf Sex, wenn die erste Potenzpille ihre Wirkung verfehlt. Das zeige, wie entscheidend die Erstanwendung sei, erklärte am Dienstag eine Gruppe britischer Ärzte, die im Auftrag von Bayer über 600 Männer mit Potenzproblemen befragten. Zwei Drittel der Befragten beklagen ein Verlust ihres Selbstwertgefühls, wenn die Potenzpille keine Wirkung zeigt. Ein Drittel fühlt sich deprimiert und ein Viertel gibt die Hoffnung auf eine Heilung komplett auf.

Quelle: Der Standard, 11/2007

Ausgeprägte Krankheitsangst (Hypochondrie) durch Psychotherapie sehr gut behandelbar

Krankheitsangst oder Hypochondrie ist nach einer Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mittels Psychotherapie sehr gut zu behandeln. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer einer Psychotherapie hatten ihren Zustand anschließend als "deutlich gebessert" eingestuft.
Unter Krankheitsangst versteht man die Angst, an einer oder mehreren Krankheiten zu leiden. Fast jeder Mensch hat mehr oder weniger Krankheitsangst. Personen, die gar keine Krankheitsangst haben, neigen dazu, so gut wie gar nicht zum Arzt zu gehen, nichts für ihre Gesundheit zu tun und auch bei klaren Anzeichen für Krankheiten zunächst nichts zu unternehmen. Menschen mit starker Krankheitsangst befürchten, eine ernsthafte Krankheit zu haben. Oft wird dabei an Krebserkrankungen gedacht, aber auch an andere schlimme Erkrankungen wie zum Beispiel AIDS oder Alzheimer. In Fachbüchern findet man für das Krankheitsbild häufig auch den Begriff "Hypochondrie". Davon betroffen sind Schätzungen zufolge etwa sieben Prozent der Bevölkerung, das heißt also jeder 14. dt. Bundesbürger. Den Betroffenen fällt es meist sehr schwer, sich von ihren Gedanken an diese Krankheiten zu lösen. Viele fühlen sich gefangen genommen von diesen Ängsten. Häufig gelingt es ihnen nur durch wiederholte Arztbesuche, Suche in der Fachliteratur oder die Einbindung anderer Personen, Erleichterung zu erfahren - eine Erleichterung, die meist nicht von Dauer ist. Zu viel Krankheitsangst, aber ebenso auch zu wenig Krankheitsangst können erhebliche Einschränkungen in der Lebensqualität nach sich ziehen.
Wissenschaftliche Evaluationen des Therapieangebots zeigen zum Ende der Behandlung eine umfassende Verminderungen von Krankheitsangst, von störenden Gedanken sowie ungünstigen Verhaltensweisen. Sämtliche Teilnehmer mit abgeschlossener Behandlung haben ihren Zustand anschließend als mindestens leicht gebessert eingeschätzt, 68 Prozent und damit mehr als zwei Drittel sogar als deutlich gebessert.

Quelle: MedAustria, 11/2007

Anti­depressiva + Schmerz­mittel = erhöhtes Magenblutungsrisiko

Patienten sollten bei der Kombination bestimmter Antidepressiva mit Schmerzmitteln vorsichtig sein. Die Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAID) wie Aspirin oder Ibuprofen erhöht das Risiko für Magenblutungen um das Sechsfache, wie eine englisch-amerikanische Übersichtsstudie zeigt. Angesichts der häufigen Verwendung der Präparate empfehlen die Forscher, in der Packungsbeilage auf das Risiko hinzuweisen. Für die Studie hatten sie vier Untersuchungen mit insgesamt 153.000 Teilnehmern ausgewertet.

Quelle: APA, 21.10.2007

Wer dick ist, wird leicht auch für dumm gehalten

In den USA haben Studien ergeben, dass fettleibige Menschen von ihren Mitmenschen generell negativ eingeschätzt werden. Nicht nur werden sie für weniger attraktiv, sondern auch für weniger intelligent und weniger leistungsbereit gehalten. Dies beginnt bereits im Schulalter: Den Ergebnissen der Studie "Stigmatisierung adipöser Kinder und Jugendlicher durch ihre Altersgenossen" des Tübinger Sportsoziologen Prof. Ansgar Thiel zufolge sind vielen Kindern und Jugendlichen fettleibige Gleichaltrige von vornherein eher unsympathisch als andere, und sie halten sie zudem für weniger intelligent und fauler als normalgewichtige Altersgenossen. Doch damit nicht genug. Die übergewichtigen Kinder wurden in den restlichen Kategorien am häufigsten mit schlechten Eigenschaften in Verbindung gebracht. "Die adipösen Kinder wurden nur in 2,6 Prozent der Fälle als die intelligentesten eingeordnet. Das adipöse Mädchen nannten 25 Prozent als das am wenigsten intelligente Kind, den adipösen Jungen sogar zwei Drittel", sagt Thiel. Dick wurde sehr häufig auch mit faul gleichgesetzt: Die beiden adipösen Kinder wurden zu fast 95 Prozent als die faulsten angenommen, der Junge allein schon mit 75 Prozent.
Eine der Erklärungen für dieses Ergebnis könnte der in den 70er-Jahren populär gewordene Massensport sein: Adipösen wird eine mangelnde Bereitschaft unterstellt, an sich zu arbeiten. In diesem Sinne gelten sie dann als faul", sagt Thiel, was dann zur Stigmatisierung führe.

Quelle: Institut für Sportwissenschaft der UNI Thübingen & MedAustria, 17.10.2007

Vice versa-Assoziation zwischen Depressionen und Herzinfarkt

Depressive leiden häufiger an Herzerkrankungen, und Herzkrankheiten führen wiederum häufig zu Depressionen.
Dieser Teufelskreis konnte nach Angaben des US-amerikanischen Neurologen Alexander H. Glassmann inzwischen durch mehrere Studien in den vergangenen Jahren untermauert werden. Wie Glassmann auf dem Europäischen Kongress für Neuropsychopharmakologie in Wien erläuterte, zeigten die Studien, dass 17 bis 27 Prozent der Krankenhauspatienten mit Herzinfarkt oder ähnlichen Herzkrankheiten zugleich schwere Depressionen haben. Das teilten die Kongressveranstalter in Wien mit. linisch gesunde Menschen, die an Depressionen erkrankten, trügen ein signifikant erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf ihres Lebens Herzinfarkte oder Schlaganfälle zu erleiden.

Quelle: PZ-online, dpa, 17.10.2007

Schlafstörungen - Gestörter Schlaf macht depressiv

Eine behandlungsbedürftige Schlafstörung liegt dann vor, wenn sowohl der Nachtschlaf als auch der Tag beeinträchtigt sind. Das heißt tagsüber Empfindlichkeit und eingeschränkte Leistungsfähigkeit (z.B. erhöhte Müdigkeit oder eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit). Wenn diese Störungen mindestens vier Wochen lang jeden Tag und jede Nacht vorkommen, spricht man von Schlafstörungen. Die häufigste Schlafstörung ist die Insomnie oder Durchschlafstörung (ca. 6% in Deutschland), an zweiter Stelle kommt die Schlafapnoe und an dritter Stelle das Restless Legs Syndrom. Die Insomnie hängt gewissermassen innerlich mit der Depression zusammen, und ist durch Einschlafstörungen gekennzeichnet, die länger als 30 Minuten dauern oder Durchschlafstörungen, welche letztendlich wieder Einschlafstörungen sind. Auch frühmorgendliches Erwachen ist möglich, und häufig sind Betroffene tagsüber müde und erschlagen, können aber nicht schlafen, vielleicht nur kurz einnicken. Sie finden keinen erholsamen Schlaf, weil die eigentliche Ursache eine Anspannung ist. Diese Menschen sind innerlich zu angespannt und können deswegen Tag und Nacht nicht schlafen. Aus Studien weiß man heute, dass nicht behandelte Insomnien eine Vorstufe einer Depression sind, und umgekehrt, dass alle Depressiven Schlafstörungen haben, im Sinne einer Insomnie. Ungedingt behandlungsbedürftig sind Schlafstörungen, wenn diese schon bis zu vier Wochen andauern und man auch eine Steigerung bemerkt. Als erste Maßnahme sind nach dem heutigen Forschungsstand nicht-medikamentöse Behandlungen indiziert wie z.B. psychologische oder psychotherapeutische Hilfe oder Schlaflabors. Leider erhalten nur die wenigsten Betroffenen von ihren Ärzten entsprechende Verschreibungen.

Quelle: Interview mit Dr. Jürgen Zulley (Schlafforscher), Der Standard, 27.08.2007

Depression belastet Organismus stärker als chronische Erkrankungen

Eine weltweit durchgeführte Studie der WHO (250.000 Teilnehmer aus 60 Ländern) ergab, dass Depression in ihren Auswirkungen den Organismus stärker belastet als z.B. Angina, Arthritis, Asthma und Diabetes.

Quelle: The Herald, 07.09.2007

Essstörungen beim Namen nennen

In einer diese Woche verabschiedeten Resolution des "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) und der American Medical Foundation empfahlen die ExpertInnen für Essstörungen, diese im ärztlichen, beraterischen und therapeutischen Kontext "beim Namen zu nennen". Viele Ärzte, besonders Kinderärzte, neigten dazu, Eltern und Kindern gegenüber von einer "Neigung" oder "Gefährdung", von "Randbereichen" oder "Entwicklungen" oder maximal von "Übergewicht" zu sprechen, aber nur selten das Wort "Adipositas" oder "Fettsucht" in den Mund zu nehmen. Die Experten kritisierten, dass es dies den Ärzten erlaube, um die notwendigen Therapiemassnahmen herumzureden, und den Eltern und Kindern, die Fakten weiterhin zu verleugnen - mit dramatischen Folgen für die Kinder.
In den USA sind 17% der Kinder und Jugendlichen fettsüchtig, und 1/3 übergewichtig.

Quelle: AMA, CDC, 15.06.2007

18 Prozent der Österreicher haben Schlafstörungen

Eine Umfrage der Österr. Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung ergab, dass 18% der Österreicher schon länger als 6 Monate an Schlafstörungen leiden, 26% wachen in der Nacht auf. Bei den Schlafstörungen wurden Schnarchen und nächtliche Atemaussetzer (Schlaf-Apnoe) mit 22 Prozent, unruhige Beine mit 21 Prozent und Albträume mit 22 Prozent am häufigsten genannt. Nur ein Viertel der Menschen mit Schlafstörungen hat dagegen schon etwas unternommen. Von diesem Viertel sprachen fast alle (96 Prozent) mit ihrem Hausarzt über das Problem.

Quelle: APA, 29.05.2007

Minoritäten geben Beratung und Therapie den Vorzug vor Psychopharmaka

Bei einer Internet-Befragung von 75.000 Amerikanern stellte sich heraus, dass bei einer Erkrankung Amerikaner afrikanischer, asiatischer oder spanischer Abstammung bis zu 3x so häufig als Weisse der Behandlung von Depressionen mittels Psychotherapie gegenüber Psychopharmaka den Vorzug geben würden. 42% der Amerikaner mit weißer Hautfarbe würden jedoch Psychopharmaka und nur 34% Psychotherapie bevorzugen (Afroamerikaner: 26%/54%; Asian Americans: 25%/49%; Hispanics: 32%/46%; nur die amerikanischen Ureinwohner entschieden sich vergleichbar mit den Weissen).
Generell teilen die Angehörigen der Randgruppen nicht die Meinung der meisten Weißen, Antidepressiva würden nicht abhängig machen, und führen Depressionen stärker als diese auf reale persönliche Probleme zurück. Sie glauben weniger daran, dass Antidepressiva ein effektiver Weg sind, Depressionen zu behandeln.

Quelle: General Hospital Psychiatry, May/June 2007.

Selbstsicherheit macht sich auch einkommensmäßig bezahlt

Eine Studie an 7000 Personen zeigte, dass die Kontrollgruppe mit höherem Selbstwertgefühl in ihren mittleren Lebensjahren über höheres Einkommen verfügen konnte als jene mit niedriger Selbstsicherheit. Der Studienleiter, Timothy Judge von der University of Florida in Gainesville sagte, dass der größte Unterschied bei Menschen bestand, die aus privilegierten sozialen Schichten stammten. Kinder aus unterprivilegierten Schichten mit normalem oder hohem Selbstwertgefühl verdienten später mehr als jene mit niedrigem Selbstwertgefühl, wobei der Einkommensunterschied aber nicht besonders groß war. Kinder aus privilegierten sozialen Schichten mit gutem Selbstwertgefühl jedoch verdienten deutlich mehr als jene aus derselben Schicht, aber mit niedriger Selbstsicherheit.
Personen mit übersteigertem Selbstwertgefühl (narzißtischen Störungsbildern) hatten der Studie zufolge unabhängig von der sozialen Herkunft weniger wirtschaftlichen Erfolg als jene mit normaler oder hoher Selbstsicherheit.

Quelle: Journal of Applied Psychology, 05/2007

Männer nach Scheidungen deutlich anfälliger für Depressionen

Eine auf der National Population Health Survey (NPHS) basierende Studie zeigte, dass Männer nach Scheidungen oder Trennungen 6x so anfällig für Phasen von mittelgradigen bis schweren Depressionen sind als Männer, die in der Partnerschaft verbleiben. Bei Frauen lag der Faktor bei 3,5. Männer und Frauen zeigten 2 Jahre nach der Trennung ein gegenüber Vergleichsgruppen signifikant erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken, bei den meisten waren diese 4 Jahre nach der Trennung weitgehend überwunden.

Quelle: Xinhua News Agency, 22.05.07

Diäten bleiben langfristig erfolglos

Forscher an der Universität von Kalifornien, L.A., fanden im Zuge einer Metaanalyse von 31 Diät-bezogenen Studien heraus, dass bei bis zu 2/3 der beobachteten Menschen Diäten langfristig ohne die gewünschte Wirkung bleiben. M.Grohan, einer der Forscher, wies darauf hin, dass ohne Behandlung der psychischen Ursachen von Fehlernährung, eine langfristige Ernährungsumstellung und Bewegung allein die Anwendung von Diäten keine nachhaltigen Erfolge bringen und auch die gesundheitliche Wirkung fragwürdig sei.

Quelle: American Psychologist Issue 04/2007

Psychotherapie hilft bei Beschwerden ohne körperlichen Befund

Psychotherapeutische Gespräche zwischen Arzt und Patient, Entspannungsübungen und Bewegung sind oft wirksamer als Spritzen und Operationen: Patienten mit so genannten funktionellen Störungen, deren körperliche Ursachen unklar sind, profitieren von einem aktiven Umgang mit ihrer Erkrankung. Weiterer Erfolgsfaktor ist die gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Außerdem helfen Psychopharmaka, die das allgemeine psychische Befinden verbessern oft mehr, als Medikamente, die die einzelnen Beschwerden, z.B. Muskelschmerz, direkt angehen.
Zu diesem Schluss kommen die Psychosomatik-Experten Peter Henningsen (München), Wolfgang Herzog (Heidelberg) und Stephan Zipfel (Tübingen) in einem Artikel, der im Lancet veröffentlicht worden ist. Sie haben dafür internationale, wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zu funktionellen Störungen ausgewertet.

Da eindeutige körperliche Befunde fehlen, haben die Patienten oft eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bevor die Funktionelle Störung erkannt wird. Die drei häufigsten Erkrankungen dieser Art sind der Reizdarm, das chronische Müdigkeits-Syndrom und die Fibromyalgie, eine Erkrankung mit chronischen Schmerzen in Muskel- und Bindegewebe.
Genetische Ursachen spielen bei Funktionellen Erkrankungen nur eine geringe Rolle, schreiben die Autoren. Vielmehr sind traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit, aber auch belastende Ereignisse im späteren Leben wie körperliche Krankheiten, Unfälle oder Verluste der Auslöser. Soziale und kulturelle Einflüsse spielen ebenfalls eine Rolle: So neigen deutsche Patienten im Vergleich zu englischen doppelt so häufig zu psychosomatisch bedingten Rückenschmerzen.
Einen großen Einfluss hat auch das Verhalten des Arztes. Es kann sogar dazu beitragen, dass ursprünglich psychische Probleme sich immer stärker in körperlichen Beschwerden niederschlagen, wenn nämlich immer mehr diagnostische Maßnahmen in die Wege geleitet werden, die auf körperliche Befunde fixiert sind.

Quelle: Lancet issue Mar 07

Sozialphobie relativ unbekannt, aber weit verbreitet

Nach Depressionen und Alkoholmissbrauch ist Sozialphobie die dritthäufigste psychische Beeinträchtigung und die häufigste aller Angsterkrankungen überhaupt. US-Studien zufolge erkranken etwa 13 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben an Sozialphobie. In Deutschland leiden etwa zwei Millionen Menschen daran, Zahlen für Österreich fehlen.
"Meistens richten Betroffene ihr Leben danach ein", sagt P.Berger, Leiter der Sozialphobie-Ambulanz am Wiener AKH. Mit gravierenden Folgen: Sozialphobiker ergreifen nicht die Berufe, die ihnen entsprechen, gehen schwer Partnerschaften ein und setzen Alkohol oder Beruhigungsmittel zur Angstminderung ein. Manche schaffen es, sich durch das Leben zu quälen. Bei anderen führt die Erkrankung zu totaler Isolation. "Diese Menschen sind keine Einzelgänger, die froh sind, wenn sie allein sind. Sie haben Menschen gerne, trauen sich aber nicht", so Berger.
Soziale Ängste kennt jeder. Ohne sie wäre gesellschaftliches Zusammenleben kaum möglich. Während man sich normalerweise diesen Ängsten stellt, sind sie für Sozialphobiker aber schwer bewältigbar. Eine Erkrankung liegt vor, wenn das Alltagsleben durch Vermeidungsverhalten stark eingeschränkt ist - Sozialphobie wird häufig fälschlicherweise mit Schüchternheit verwechselt, und wurde erst in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts von der WHO als Krankheit anerkannt.
Hinweis: einen Artikel über Sozialphobie finden Sie unter dem im Artikel angeführten Link.

Quelle: MedStandard, 02/2007

Ärztekammer sieht Warnungen vor Datenmissbrauch berechtigt

Die Wr.Ärztekammer fühlt sich in ihren Warnungen vor dem gläsernen Patienten durch E-Card und elektronische Gesundheitsakte (ELGA) aufgrund der aktuellen Vorkommnisse im Arbeitsmarktservice (AMS) "voll und ganz" bestätigt. "Obwohl ELGA nicht einmal noch in Kraft ist, passieren bereits Übermittlungen höchst sensibler Gesundheitsdaten, die eindeutig gegen die Interessen der Patienten gerichtet sind", betont der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien. Hier würde das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient mit den Füßen getreten.
Die nun aufgezeigte Weitergabe von Gesundheitsdaten von Arbeitslosen durch das AMS sei "erst der Beginn dessen, was uns allen in naher und ferner Zukunft blühen könnte". Gerade die elektronische Patientenakte werde von den öffentlichen Einrichtungen mit einem "Enthusiasmus" betrieben, der die Aspekte des Datenschutzes und mögliche Folgen vor Missbrauch zu wenig beachte. Steinhart: "Sämtliche zukünftigen Projekte im Bereich von E-Health, also ELGA, E-Rezepte und E-Überweisungen, stellen einen massiven Eingriff in das Arzt-Patienten-Verhältnis dar. Der Patient muss dabei der alleinige Herr über seine Daten bleiben, und die Verwaltung dieser Daten muss in jedem Fall im Aufgabenbereich des Arztes liegen." Nur so könne der Schutz hoch sensibler Patientendaten gewährleistet werden. Kein Patient könne sicher sein, dass die Arztordination verlassende Daten nicht in Hände fallen, die letztendlich dem Patienten schaden könnten. "Und mir fallen eine Reihe von Institutionen ein, die sehr hohes Interesse an bestimmten Daten haben werden", betont Steinhart, der hier unter anderem Behörden, Arbeitsvermittlungen sowie die Wirtschaft als Arbeitgeber aufzählt.

Quelle: Ärztekammer Wien, 02/2007

Frauen erhalten häufiger eine PTSD-Diagnose als Männer

Eine Metaanalyse, die 290 zwischen 1980 and 2005 durchgeführte Studien untersuchte, ergab, daß Frauen häufiger als Männer mit PTSD (Posttraumatic Stress Disorder, dt: PTBS, Posttraumatische Belastungsstörung) dianostiziert werden, obwohl sie seltener als diese traumatischen Erlebnissen ausgesetzt sind. Frauen erfahren gemäß den Studienleitern eher sexuellen Mißbrauch, während Männer deutlich häufiger in ihrem Leben Zeugen oder Erlebende von Unfällen, Gewalttaten (vorrangig nichtsexueller Art), Todesfällen, Katastrophen oder Krieg werden.
Der Leiter der Studie, Dr. David F. Tolin von der University of Pennsylvania School of Medicine meint, daß sexuelle Gewalt offenbar häufiger PTSD zur Folge hat als andere Ereignisse. Eine andere Vermutung besteht darin, daß Männer auf traumatische Ereignisse anders reagieren - z.B. mit emotionalem Rückzug, Drogenmißbrauch, Gewalt, gesellschaftlichem Ausstieg, und darüber hinaus weniger offen über ihre Gewalterfahrungen sprechen. Die Studie kommt u.a. zu der Schlußfolgerung, daß genauere diagnostische Meßverfahren entwickelt werden sollten.

Quelle: APA (American Psychological Organization), Nov.2006

FSD - Etablierung einer nicht vorhandenen Krankheit?

Die "weibliche sexuelle Dysfunktion" (FSD) wird einerseits als nicht vorhanden kritisiert, andererseits sind weibliche Sexualstörungen eine häufige Tatsache. Wenige Monate, nachdem Viagra auf den Markt gekommen war, tagten im Herbst 1998 in Boston Ärzte, um ein weibliches Pendant zur Erektionsstörung zu definieren. Urologen waren in der Mehrheit, nur zwei Gynäkologen waren dabei, ein Einziger der neunzehn Mediziner hatte keine Pharmaverbindungen. Bald darauf gab Pfizer eine Umfrage in Auftrag, der zufolge 43 Prozent der Amerikanerinnen unter sexuellen Störungen leiden. In einer von Bayer finanzierten Kölner Studie gaben das sogar 60 Prozent der befragten Frauen an.
Nicht nur Sildenafil, der Viagra-Wirkstoff, wurde an bereitwilligen Probandinnen (es handelte sich allerdings um ovarektomierte Frauen, also solche mit chirurgischer Menopause, welche häufig unter Libido- und allgemeinem Energieverlust leiden) getestet, sondern auch eine Reihe von Hormonpräparaten war nun in den Pipelines der Entwickler. Der australische Journalist Ray Moynihan warnte im British Medical Journal, hier werde eine Krankheit erfunden, um den Markt für die neuen Mittel zu bereiten. Wenige Monate später wurde FSD, die "weibliche sexuelle Dysfunktion", auf einer von der Pharmabranche ausgestatteten Konferenz 2003 in Paris vorgestellt. War Lustlosigkeit früher noch am ehesten durch Psycho- und Paartherapie behandelt worden, bekamen nun immer mehr Patientinnen Medikamente verschrieben, die für Frauen bislang nicht zugelassen waren, nämlich Viagra oder Testosteron. Und Männer, die wegen Potenzproblemen therapiert wurden, wurden ermuntert, auch ihre Frauen mitzubringen.
Zu nur schwach befriedigenden Ergebnissen führten Tests mit dem sog. "Hormonpflaster", das die Anzahl der Sexualkontakte von von Appetenzstörungen betroffenen Frauen gerade mal von 3 auf 5 pro Monat steigerte. Dazu kam die mittlerweile gewonnene Einsicht, dass eine stärkere Durchblutung der Vagina am Lustempfinden der Frauen überhaupt nichts änderte. Das wiederum stärkte die Sicht, dass der weiblichen Libido nicht mit Medikamenten beizukommen sei.

Quelle: European Society for Sexual Medicine

Jedes fünfte Kind hat Essstörungen

Allergien, Übergewicht und Bewegungsstörungen machen den Kindern in Deutschland zunehmend zu schaffen. Dabei sind Kinder aus armen Familien meist stärker betroffen. Das belegt eine bislang einmalige Kinder- und Jugendgesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts mit mehr als 17.000 Teilnehmern, die in Berlin vorgestellt wurden.
So ergab die Großstudie, daß 15% der Kinder und Jugendlichen von drei bis 17 Jahren übergewichtig sind. Bei den Elf- bis 17-Jährigen zeigt jeder fünfte Auffälligkeiten im Essverhalten wie z.B. Mager- oder Ess-Brech-Sucht. 16,7 Prozent der bis zu 17-Jährigen leiden unter Allergien. Der Studie zufolge sind Kinder aus Migrantenfamilien oder "mit niedrigem Sozialstatus" wesentlich seltener körperlich aktiv als der Durchschnitt. Körperbezogene Teile der Tests zeigten einen "Rückgang der Kraftfähigkeit" um 14% seit 1976.

Quelle: Associated Press, 11/2006

Frauen trinken exzessiver gegen Probleme an als Männer

Der Zusammenhang zwischen starkem Trinken und Depressionen ist bei Frauen stärker als bei Männern. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Centre for Addiction and Mental Health und der University of North Dakota. WissenschafterInnen befragten 6.009 Männer und 8.054 Frauen zu ihrem Alkoholkonsum und Depressionen, wonach sich zeigte, dass exzessiv trinkende Frauen eher an klinischen Depressionen litten. Ein mäßiger Alkoholkonsum erhöhte das Risiko weder bei Frauen noch Männern, schreiben die ForscherInnen in "Alcoholism: Clinical and Experimental Research". Das Muster der Zusammenhänge sei außerdem bei Frauen konsistenter, die gegen ihre Depressionen antrinken als bei chronisch trinkenden Frauen, die in der Folge an Depressionen leiden: "Der Teufelskreis kann damit beginnen, dass Frauen als Reaktion auf ihre Depressionen anfangen zu trinken." Klinische Depressionen könnten manche Frauen dazu verleiten, große Mengen von Alkohol zu trinken in der Hoffnung, dass sich ihre depressiven Stimmungen so dämpfen lassen. Es sei jedoch noch näher zu erforschen, ob das Trinken Depressionen verursache oder Depressionen das Trinken.

Quelle: Alcoholism: Clinical and Experimental Research

Psychische Ursachen von Krankhei­ten werden bei 1/3 der Patienten nicht behandelt

Den psychischen und sozialen Ursachen von Krankheiten werde in der modernen Medizin immer noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet, erklärten Psychiater, Psychotherapeuten, klinische Psychologen, Internisten und Gynäkologen anlässlich der Tagung "Psychosomatik im 21. Jahrhundert". Viele Patienten erhalten dadurch nicht jene Behandlung, die sie eigentlich benötigen, lautete der Tenor der Experten.
Ein anwesender Arzt brachte ein Beispiel, nach dem ein Patient mit den Symptomen eines Herzinfarkts immer wieder in der kardiologischen Ambulanz aufgetaucht sei. Die Untersuchungen hätten keine Hinweise auf einen Infarkt ergeben. Erst nach dem sechsten Anfall mit Schmerzen, Schweißausbruch und Panikattacken hätten die Kollegen der Kardiologie den Mann in die Psychosomatische Ambulanz überwiesen. Dort wurde Stress und Leistungsdruck als mögliche Ursache für die Beschwerden festgestellt. Der Patient lernte Stressmanagement und hatte seither nie mehr einen Anfall. Dieser Fall sei typisch für viele Patientenkarrieren: So habe eine Untersuchung an der Salzburger Gynäkologie ergeben, dass bei Patientinnen mit chronischen Unterbauchschmerzen bis zu vier Bauchspiegelungen durchgeführt werden, bevor auch die psychosomatische Komponente für die Probleme vom Arzt in Erwägung gezogen werden, berichtete Barbara Maier, Oberärztin der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Salzburg. Die Experten gehen davon aus, dass bei einem Drittel der Patienten die psychischen und sozialen Faktoren ihrer Erkrankung nicht erkannt und nicht behandelt werden.

Stress und Depressivität sei bei Herzinfarkt eine ebenso wichtige Ursache wie erhöhte Blutfette, sagte die Internistin Gabriele Moser. Viele funktionelle Magen-Darm-Beschwerden - wie der Reizdarm - hätten auch mit psychosomatischen Ursachen zu tun. Ein Gespräch über die soziale oder psychische Situation sei oft wirksamer als viele Medikamente. Eine integrierte Psychosomatik wäre auch kostengünstiger, betonte Moser. Der Patient brauche weniger Medikamente und die Aufenthaltsdauer im Spital verkürze sich. Die Tagungsteilnehmer wollen aber nicht nur bei den Kollegen in Spitälern und Praxen das Bewusstsein für psychosomatische Faktoren schärfen. Auch viele Patienten hätten kein Verständnis für psychische oder soziale Komponenten einer Erkrankung. "Die Patienten wollen nicht psychisch krank sein, sie genieren sich und fühlen sich stigmatisiert", sagte Stelzig. Frauen können damit normalerweise leichter umgehen als Männer.

Quelle: Standard, 08.12.2006

Wirksamkeit der Systemischen Therapie

Systemische Therapie/Familientherapie ist ein wirksames und kostengünstiges Psychotherapieverfahren mit sehr guten Langzeiteffekten. Das belegt eine wissenschaftliche Studie, die nun auch als Buch vorliegt.

Die Wirksamkeit der Systemischen Therapie für Störungen im Kindes- und Jugendalter ist durch Forschungsstudien - vor allem aus den USA - besonders gut belegt. Das Gutachten wertet 50 RCT-Studien aus, von denen 44 die Wirksamkeit der Systemischen Therapie eindeutig belegen. Das gilt insbesondere für schwere Störungen, die in Familien viel Leid und im Gesundheitssystem hohe Kosten verursachen: Drogenmissbrauch, Störungen des Sozialverhaltens, jugendliche Delinquenz, Essstörungen und die Bewältigung von körperlichen Krankheiten. Bei diesen Störungen ist die Systemische Familientherapie eines der international am besten untersuchten und erfolgreichsten Verfahren.

Die Wirksamkeit bei Störungen im Erwachsenenalter ist ebenfalls gut belegt. Hier führt die Expertise 27 RCT-Studien an, die zeigen, dass Systemische Therapie hoch wirksam ist. Das gilt insbesondere für die Bereiche Substanzstörungen, Depression, Essstörungen, psychische Störungen bei somatischen Krankheiten sowie für Schizophrenie.

Die kontrollierten Studien belegen neben der hohen Wirksamkeit des Verfahrens nach Ende der Therapie eine gute Langzeitwirkung: Bei Kontrolluntersuchungen in bis zu vier Jahren nach Abschluss der Therapie zeigt die Systemische Therapie bessere Ergebnisse als konkurrierende Verfahren. Außerdem ist die Abbruchrate geringer. So können mit Systemischer Therapie/Familientherapie beispielsweise mehr Drogenabhängige in Therapien gehalten werden als bei anderen Therapieansätzen.

Die Systemische Therapie/Familientherapie ist darüber hinaus ein besonders kostengünstiges Therapieverfahren aufgrund einer vergleichsweise geringen Sitzungszahl. Durch die "Mitbehandlung" des sozialen Umfeldes kommt es zudem auch bei den Angehörigen des Patienten zu positiven Effekten. Systemische Familientherapie kann somit zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheits- und Sozialsystem beitragen.

Link zum Buch

Quelle: MedAustria, 12/2006

Erster Österreichischer Adipositasbericht zeigt Handlungsbedarf

Laut Adipositasbericht 06 stieg die Prävalenz in Österreich in nur acht Jahren von 8,5 Prozent auf 9,1 Prozent, zwischen 23% und 24% der ÖsterreicherInnen sind übergewichtig.
„Adipositas verursacht in Österreich direkte Kosten für Krankenhausaufenthalte, Ambulanzen, Medikamente und indirekte Kosten für Ressourcenverlust und Produktivitätsausfälle infolge von Krankheit und Arbeitsunfähigkeit sowie intangible Kosten aufgrund von Schmerzen und verminderter Lebensqualität. Bei einer Umrechnung internationaler Kostenschätzungen auf Österreich ergeben sich Gesundheitskosten für das Jahr 2004 von 227,7 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro.
Rund 59,6 Millionen Euro wären auf Bluthochdruck, 46,2 Millionen auf Osteoarthritis, 44,2 Millionen auf koronare Herzerkrankungen bei unter 65-Jährigen und 38,0 Millionen auf Diabetes mellitus als Folgeerkrankungen der Adipositas zurückzuführen. Wenn sich die Prävalenz in Österreich um nur ein Prozent verringern würde, so könnten direkte Gesundheitskosten in der Höhe von 751,4 Millionen Euro eingespart werden“, kommentiert Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin die Daten aus dem ersten österreichischen Adipositasbericht 2006.

Adipositas, durch eine übermäßige Ansammlung an Fettgewebe im Körper erkennbar, wird als chronische Gesundheitsstörung verstanden. Für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes sowie zahlreiche andere Krankheiten stellen Übergewicht und Adipositas einen hohen Risikofaktor dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendet eine internationale Klassifikation für Übergewicht und Adipositas. Geschlechtsunabhängig gilt für Übergewicht ein Body Mass Index (BMI) von 25,0 Kilogramm pro Quadratmeter, für Adipositas 30,0 Kilogramm pro Quadratmeter. Der Bauchumfang bei abdomineller Adipositas ist bei Männern 102 Zentimeter und bei Frauen 88 Zentimeter.
(-> mehr über Eßstörungen)

Quelle: MedAustria, 08/2006

Ärztekammer fürchtet "gläser­nen Patien­ten"

Die Ärztekammer kritisiert das Gesund­heitsministerium für mangelnde Informa­tion der Öffentlichkeit bezüglich der ELGA (Elektronischen Lebenslangen Akte), die ab 2008 schrittweise in Österreich eingeführt und alle elektronisch verarbeiteten, mit der Krankenkasse verrechneten Gesundheitsdaten enthalten wird und malt drohende Beispiele aus. "Bei einem Vorstellungsgespräch könnte der Arbeitgeber sagen: ,Sie sind natürlich nicht verpflichtet, aber es wäre nett, wenn unser Betriebsarzt einen Blick in Ihre Akte werfen kann', oder ein Mensch, der als 30-jähriger Psychopharmaka genommen hat, könnte ein Leben lang als labil und nicht stressresistent stigmatisiert sein", fürchtet Johannes Steinhart, Präsident der Österr. Ärztekammer.
Gefordert wird, daß jeder Patient selbst sagen können muß, welche Daten überhaupt gespeichert werden, und genau festgelegt wird, wer aller Zugriff auf die gespeicherten Informationen erhalten darf.
Laut C.Auer, Kabinettssprecher der Gesundheitsministerin, besteht bezüglich der befürchteten Punkte aber "kein Grund zur Sorge." Der niederösterr. Patientenanwalt Bachinger (der zugleich Mitglied der ELGA-Steuerungsgruppe ist) äußert sich folgendermaßen: "Datenschutz ist wichtig, aber mir ist der gläserne Patient lieber als der tote Patient."

Quelle: Der Standard v.14.11.06

Britische Behörden können bald fast nach Belieben auf Krankenakten ihrer Bürger zugreifen

Sorgen um die Sicherheit der Gesundheitsdaten britischer Bürger machen sich derzeit die Datenschützer des Landes, wenn ab Beginn 1997 eine Datensammlung von bis zu 50 Millionen Krankenakten (mit persönlichen Patienteninformationen, darunter auch Diagnosen über seelische Krankheiten, Drogen- und Alkoholsucht) online gestellt wird.
Britische Bürger können dieser Freigabe zwar widersprechen, der Staat kann den Widerspruch aber ignorieren, wenn dies "im öffentlichen Interesse liegt".

Quelle: Online-Magazin Telepolis (tp), 13.11.2006

Permanenter Stress kann Jahre später chronische Müdigkeit auslösen

Das Karolinska-Institut in Stockholm stellte in einer Studie an fast 20.000 Zwillingen fest, dass Menschen, die ihr Leben in den 70er Jahren als sehr stressig empfanden, 25 Jahre später deutlich häufiger am so genannten chronischen Erschöpfungssyndrom litten. Verglichen mit Menschen, die ihr Leben als eher entspannt bewerteten, hatten die Gestressten ein um 65 Prozent höheres Risiko, an der sog. "Dauermüdigkeit" (CFS) zu erkranken. Auch bei emotional instabilen Menschen sei die Krankheit im Laufe ihres Lebens mit höherer Wahrscheinlichkeit aufgetreten, berichten die Wissenschaftler.
Beim chronischen Erschöpfungssyndrom fühlen sich Betroffene häufig über mehrere Monate lang geistig und körperlich matt. Viele leiden zudem unter Konzentrationsstörungen und Kopf- oder Gelenkschmerzen. Frauen erkranken häufiger als Männer.

Quelle: APA

'Betrogene' leiden auch körperlich

3.334 heterosexuelle und betrogene Frauen und Männer wurden vom Institut für Psychologie der Göttinger Universität befragt, wonach sich zeigte, dass Betrogene monatelang psychisch wie physisch leiden. Unter Schlafproblemen leiden 61 % der Frauen und 66 % der Männer. Über Konzentrationsschwierigkeiten klagten 69 bzw. 62 %, und Angst vor der Zukunft haben 68 % der männlichen und 69 % der weiblichen Befragten.
Diese beschriebenen Leiden stellen traumaähnliche Symptome dar.
Aus der Studie ergeben sich laut dem Studien-Auftraggeber "Focus" auch Daten über das Verhalten der Untreuen. So sei der One-Night-Stand eher ein Mythos. Nur bei zwölf Prozent der untreuen Männer und neun Prozent der untreuen Frauen war der Seitensprung einmalig. Die meisten (41 und 46 Prozent) gingen von einem Monat bis zu einem halben Jahr fremd, 29 beziehungsweise 23 Prozent länger als ein halbes Jahr. Als Motiv für Seitensprünge wird in den meisten Fällen sexuelle Unzufriedenheit mit dem Partner angegeben.

Quelle: APA

Depressionen - rechzeitige Therapie verbessert die Heilungschancen

33,4 Millionen Europäer leiden an einer depressiven Erkrankung. Dennoch vergehen durchschnittlich rund elf Monate, bevor Menschen mit einer Depression ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Dies ergab eine internationale Studie des Marktforschungsinstituts Harris Interactive in fünf Ländern (Deutschland, Frankreich, Kanada, Brasilien und Mexiko) mit 377 depressiven Patienten und 756 Ärzten, die im Auftrag der World Federation of Mental Health durchgeführt wurde. Diese Untersuchung zeigte auch, dass die überwiegende Mehrheit der Patienten (72%) mit mittelschwerer und schwerer Depression nicht wusste, dass neben den klassischen Depressionssymptomen wie Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel auch körperliche Beschwerden (z.B. chronische Kopf-, Muskel- oder Rückenschmerzen) häufige Symptome einer klinisch manifesten depressiven Erkrankung sein können. Erst wenn solcherart die psychische Störung bereits somatisiert ist, suchen 79% der befragten Patienten Hilfe.

Quelle: The painful truth Survey. Conducted by Harris Interactive, 2006

Angststörungen: zwei Drittel der Patienten bleiben krank

Angststörungen sind durch ein vielfältiges Erscheinungsbild und einen hohen Grad an Chronifizierung gekennzeichnet, ferner sind sie in einem hohen Maße mit Komorbiditäten verbunden - besonders häufig treten Depressionen im Zusammenhang mit Depressionen, Panikstörungen, Agoraphobie oder Sozialphobien auf. Darüber hinaus kann es zu körperlichen - kardiovaskulären, neurologischen, gastrointestinalen oder respiratorischen - Symptomen kommen, wobei körperliche Symptome im Zusammenhang mit Angststörungen häufiger als psychische sind. So leiden etwa 84% der Patienten an Tachykardie oder 79% an Beklemmungsgefühlen. Ebenso komplex wie die Symptomatik der Angst sind die pharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlungsstrategien. Denn eine Untersuchung von Kasper et al aus dem Jahr 1995 zeigte, dass in einem Beobachtungszeitraum von vier Jahren nur rund ein Drittel der Patienten mit Panikstörungen wieder gesund wurden. 50% der Beobachteten hatten weiterhin Probleme, wenn auch weniger schwer. Bei knapp 20% hat die Erkrankung einen schwerwiegenden, chronischen Verlauf genommen. Spätestens dann ist oft eine pharmakologische Therapieunterstützung unumgänglich, "da Störungen, die so lange bestehen, in aller Regel Veränderungen im Hirnstoffwechsel hervor rufen", so der eine einschlägige Studie leitende Psychiater Dr. Peter Hofmann von der Univ.-Klinik f. Psychiatrie in Graz.

Quelle: Vortrag "Klinischer Alltag – Indikationsspektrum der atypischen Antipsychotika", 25. Februar 2006, Wien

Stalking - der verfolgte Psychotherapeut

Zwischen 60 und 85% der Stalker (Menschen, die andere verfolgen, belästigen, bedrohen oder ihnen realen Schaden zufügen) weisen eine psychiatrische Störung auf. "Aufgrund dieser Assoziation von Stalking und psychischen Störungen, aber auch durch die Beschäftigung mit einem sozial isolierten Patienten-kollektiv, sind Psychiater, Psychotherapeuten und Psychologen einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Opfer von Stalking zu werden", war die Hypothese von Mitarbeitern der Univ.Klinik für Psychiatrie in Graz, welche in Folge eine Studie zu diesem Thema inittierte. 117 Psychiater und Psychotherapeuten wurden i.B. auf wiederholtes verfolgendes, belästigendes oder bedrohliches Verhalten durch Patienten, das mindestens zwei Wochen angehalten hatte, befragt, und die Belastungsreaktionen mit einschlägigen Tests erfasst.
Die Auswertung der Daten ergab, dass im befragten Kollektiv 38,5% im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit Opfer von Stalking geworden waren. "Interessanterweise waren signifikant mehr Männer Opfer und 60% der Täter Frauen", betonte die Leiterin der Studie, Dr.B.Krammer. Bezüglich der Ausprägung des Stalkings lag in 70% der Fälle ein rein verbales, bedrohendes und belästigendes Verhalten vor, bei 15% handelte es sich um sexuell motivierte Übergriffe. Bei 13% kam es zu Tätlichkeiten und bei 2% zu Körperverletzungen. Bei knapp einem Drittel wurden auch Dritte – in der Regel Familienangehörige der Psychiater/Psychotherapeuten/Psychologen – bedroht. Die durchschnittliche Dauer des Stalkings lag bei zirka 15 Monaten.

Quelle: 6. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP), 27.–29. April 2006, Gmunden

Psychotherapeutische Behandlung effizienter als Schlafmittel

In einer randomisierten kontrollierten Studie im JAMA war die Psychotherapie einer 6-wöchigen Therapie mit Zopiclon deutlich überlegen. Psychologische Therapien haben sich bisher kaum etabliert, sie wären nach Ansicht von Borge Sivertsen von der Universität Bergen und Mitarbeitern aber durchaus geeignet, den Patienten langfristig zu einem besseren Schlaf zu verhelfen, was bei Hypnotika nicht der Fall ist. Schlafmittel wirken nur, solange sie eingenommen werden. Eine Psychotherapie kann jedoch das Verhalten ändern, das oft für die Schlafstörungen verantwortlich ist, wie die Studie der Universität Bergen zeigt.
Die 46 Teilnehmer waren ältere Patienten (über 55 Jahre), die die DSM-IV-Kriterien für eine chronische Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen über mindestens 3 Monate mit Beeinträchtigung am nächsten Tag) erfüllten. Sie wurden auf drei Gruppen randomisiert. Ein Drittel erhielt das Non-Benzodiazepin Zopiclon (7,5 mg zur Nacht), ein weiteres Drittel ein Placebo. Den übrigen Patienten wurden sechs Einzeltherapien von jeweils 50 Minuten Dauer angeboten, die einmal pro Woche stattfanden.
Am Ende der sechswöchigen Therapie waren die nächtlichen Wachzeiten unter der CBT um 52 Prozent reduziert worden gegenüber einer Reduktion um 4 Prozent unter Zopiclon und 16 Prozent unter Placebo. Die Schlafeffizienz (Anteil des Schlafes während des Aufenthaltes im Bett) wurde durch die CBT um 9 Prozent verbessert, während sie sich unter Zopiclon um 1 Prozent verschlechterte. Die Gesamtschlafdauer verbesserte sich im CBT-Arm auch nach Abschluss der Therapie noch weiter, während unter Zopiclon - immerhin - eine Stabilisierung erzielt wurde. Die Polysomnographie zeigt, dass die Patienten nach einer CBT mehr Zeit in den tiefen und erholsamen Schlafstadien 3 und 4 verbringen und nachts seltener wach werden als die Patienten der beiden anderen Therapiearme.

Quelle: JAMA 2006; 295: 2851-2858

Glückliche Menschen sind krankheits-resistenter

Glückliche Menschen sind seltener erkältet. Werden sie dennoch krank, so leiden sie weniger stark unter den Symptomen, wie eine amerikanische Studie ergab. Darin stuften Psychologen der Universität Pittsburgh zunächst die Grundeinstellung der 193 erwachsenen Teilnehmer ein. Diese wurden dann mit Erkältungs- oder mit Grippeviren infiziert und in Quarantäne gehalten. Menschen mit positiven Gefühlen erkrankten in der Studie seltener als Teilnehmer mit einer eher depressiven, ängstlichen oder feindseligen Haltung. Selbst wenn sie krank wurden, so litten sie weniger unter den Beschwerden. Alter, Geschlecht, Bildung, Selbstbild oder Extravertiertheit der Personen spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend war die positive Gefühlshaltung.

Quelle: "Psychosomatic Medicine", 11/2006

Zunehmende Medikamentensucht

In Deutschland sind genau so viele Menschen von Medikamenten abhängig wie von Alkohol. Besonders häufig seien Frauen und ältere Menschen süchtig nach Tabletten, ergab eine am Montag in Berlin veröffentlichte Studie der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS). Eine besondere Verantwortung bei der Suchtprävention komme den ÄrztInnen und Apotheken zu, sagte S.Bätzing, die Drogenbeauftragte der Dt.Bundesregierung, bei der Präsentation der Studie.

Quelle: Reuters, 11/2006

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